(c) Kreuzkirche - 2019

KREUZKIRCHE HAMM

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 â€žIm Sommer ist Gott im Urlaub!“

„Ich bin dann mal weg!“ So lautete vor einigen Jahren der Titel eines Buches von Hape Kerkeling, in dem er die Erfahrungen seiner Pilgerreise durch Frankreich und Spanien verarbeitet. „Ich bin dann mal weg...“, werden demnächst auch wieder viele andere sagen - denn Sommerzeit ist Urlaubszeit:  Die einen packen sich die Tage voll mit Feiern und Erlebnis-Touren: „BloĂź raus, bloĂź weg! Und leben - endlich wieder leben!“ Die anderen verstehen unter Urlaub eher das Gegenteil: „Absolut nichts tun, höchstens ein Buch lesen. Und zwischen den Nickerchen ein bisschen schlafen.“ Ganz andere nehmen sich frei, um das Haus zu renovieren, den Garten zu pflegen oder in die neue Wohnung umzuziehen.  FĂĽr die meisten ist die „arbeitsfreie Zeit“ aber immer zu kurz. Und durch die vielen Inhalte und Vorbereitungen kann eine Urlaubszeit sogar richtig stressig werden: Dann seufzen einige, sie bräuchten erst mal Urlaub vom Urlaub. Denn die Erwartungen an die Urlaubszeit sind ähnlich hoch wie an Weihnachten: Ganz besonders toll muss der Urlaub werden, die schönste Zeit des Jahres soll er sein. Aber das geht nicht immer so einfach! Denn wo auch immer wir hinfahren, was auch immer wir tun oder wen wir treffen: Wir nehmen nicht nur unsere Koffer, sondern auch immer uns selbst mit - und damit auch immer das, was wir an „Gepäck“ mit uns rumschleppen.  Damit die Urlaubszeit nicht nur ein kurzes Aufatmen, sondern auch eine nachhaltige Veränderung bewirkt, könnten wir fragen: „Was ist wirklich in meinem Urlaub dran und möglich? Wozu brauche ich diese freie Zeit?“ Denn die Urlausbzeit bietet Raum fĂĽr Träume, SehnsĂĽchte, ungelöste Fragen. Nur wer sich seinen Gedanken stellt, kann erlöst werden von Bindungen an die Vergangenheit und wieder mutig in die Zukunft schauen. Es gibt auch ein Leben NACH dem Urlaub - und das ist mindestens so wichtig und wertvoll wie drei Wochen Strand, Grillen oder Partymachen. Ich muss davor keine Angst haben, denn Gott ist ja bei mir. Im 139. Psalm heiĂźt es: 

HERR, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weiĂźt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Wenn Gott mich also am besten kennt, weil er mich ja geschaffen hat und jeden Gedanken, jedes Wort und einfach alles von mir weiĂź – dann muss ich keine Angst mehr vor den Dingen haben, die mir vielleicht im Urlaub klarer werden. Ich muss nichts durch Aktivitäten oder Verschlafen verdrängen. Vielleicht zeigt mir Gott die Dinge, die ich lange nicht beachtet oder ĂĽbersehen habe. Oder wo ich den Mut nicht hatte, sie anzugehen.  Ich glaube, dass wir dadurch erst wirklich entspannen und eine arbeitsfreie Zeit genieĂźen können, wenn wir nicht vor etwas weglaufen, um das wir uns sowieso kĂĽmmern mĂĽssen. Ein Gespräch mit Gott beim Wandern oder Ausruhen muss ja nicht stundenlang dauern. Wer weiĂź, welches Gepäck Gott uns noch abnimmt – oder tragen hilft. Denn Gott fährt mit in den Urlaub. Er ist schon vor Ort und wartet auf uns. Das Ausruhen bei Gott ist fĂĽr mich durch nichts zu ersetzen. G

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Angedacht für die Fasten- und Passionszeit ab März:

„Wendet Euer Herz wieder dem HERRN zu und dient ihm allein.“ 

 (1.Samuel 7,3)

 

Warum Gott wieder einmal keine Rolle spielte, wird nicht im ersten Buch Samuel erzählt. Dabei konnte Volk Israel durchaus von Gottes machtvollem Handeln berichten (1.Sam. 4-6): Die Philister hatten die Bundeslade -  das Heiligtum Israels -  geraubt, aber sie brachte den Feinden nur UnglĂĽck. Die Statue ihres Gottes, zu deren FĂĽĂźen die Philister die Bundeslade aufgestellt hatten, fiel zu Boden und zerbrach. Dann wurden die Philister anschlieĂźend auch noch von einer Art Beulenpest befallen.  Erst als sie die Bundeslade auf einem Wagen wieder Richtung Israel zurĂĽckschickten, nahm Gott seine schwere Hand wieder von ihnen. In die Freude ĂĽber die RĂĽckkehr der Lade mischte sich bei den Israeliten aber auch die Angst vor der Macht Gottes: „Wer kann bestehen vor dem HERRN, diesem heiligen Gott?“ (1.Sam. 6,20) Die Jahre vergehen – trotz allem wird Gott wieder vergessen. Die Götterstatuen der anderen Völker (Baal und Astarte) werden  attraktiver als der Gott Israels.  Samuel - als Richter, Priester und Prophet -  ermahnt sein Volk, als die Auseinandersetzungen mit den Philistern andauern: „Wenn Ihr Euch von ganzen Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von Euch die fremden Götter und die Astarten  und richtet Euer Herz zu dem Herrn und dient ihm allein, so wird ER Euch erretten aus der Hand der Philister.“ Samuels Aufforderung erinnert an das Erste Gebot: „Ich bin der HERR, Dein Gott, der Dich aus Ă„gyptenland, aus der Knechtschaft gefĂĽhrt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ (2.Mose 20,3) Martin Luther schreibt dazu im GroĂźen Katechismus: „Ein Gott heiĂźt das, von dem man alles Gute erhoffen und zu dem man in allen Nöten Zuflucht nehmen soll. Einen Gott haben heiĂźt also nichts anderes, als ihm von Herzen vertrauen und glauben (…). Allein das Vertrauen und Glauben des Herzens macht etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott. (…) Woran Du Dein Herz hängst und worauf Du Dich verlässt, das ist eigentlich Dein Gott.“ Ich kann mein Herz ans Geld hängen, an Sparverträge, Besitz und Versicherungen. An Klugheit und Beliebtheit, Erfolg und Ansehen. Aussehen (jung und makellos) gehört auch längst dazu - nicht umsonst spricht man von „Körperkult“. Manche Formen der Ernährung sind fĂĽr einige zu „Ersatzreligionen“ geworden. Worauf setze ICH mein Vertrauen? Worauf grĂĽndet sich MEIN SelbstwertgefĂĽhl? Was bestimmt mein Denken und Handeln? In unserer Kultur ist das „Herz“ der Sitz der GefĂĽhle. In der Bibel ist „Herz“ der Verstand, der Wille, der Ort des Planens, Denkens und der Entscheidungen. Aber mit einer einmaligen Richtungsänderung im Leben ist´s nichts getan. Täglich muss ich mein Denken, Bewerten… zu Gott hinwenden. „Mein erst GefĂĽhl sei Preis und Dank“, dichtet C.F. Gellert in seinem Morgenlob (Gesangbuch Nr. 602).   Ich kann zwar meine GefĂĽhle selbst nicht ändern, aber ich kann Wege gehen, die mein GefĂĽhl, meine Einstellung verändern. Wir singen im Gottesdienst nicht nur, weil uns danach ist. Wir singen auch, damit sich unser GefĂĽhl, unser Denken nach Gott ausrichtet. Es bleibt eine Frage der bewussten Entscheidung und EinĂĽbung, wohin ich mein Herz zu Beginn eines neuen Tages wende und wie ich meine Vorhaben beginne. Ob ich vor dem Essen kurz innehalte und Gott dafĂĽr danke. Ob ich das, was mich beschäftigt, was heute anliegt, Gott im Gebet sage und anvertraue. Ob ich mein Leben und jeden einzelnen Tag davon in seine Hände lege. Ob ich die Menschen um mich herum mit „Gottes Augen“ sehe - oder nach anderen MaĂźstäben bewerte. Ein Mensch, dessen Herz sich Gott zuwendet und sich an ihn „hängt“, dient damit Gott und seinen Mitmenschen. Der Prophet Amos fand harte Worte fĂĽr die Scheinheiligen und selbstsĂĽchtige Oberschicht seiner Zeit, die einen schlechten Dienst taten: Da werden Gott im Tempel Opfer gebracht, Lieder gesungen und Gebete gesprochen  - aber wenn Menschen unter die Räder kommen, schert das keinen. Gott ging es nie um das ErfĂĽllen religiöser Kulte – sondern immer nur um unser „Herz“ - ob SEIN Geist, SEINE Liebe unser Leben und Arbeiten bestimmen und prägen.  Jede Wende des Herzens beginnt mit einem einfachen Schritt: Dem Schritt in eine andere Richtung. Ich lasse los, was ich noch krampfhaft festhalte.  Ich höre umgehend damit auf, noch länger so zu denken, zu reden oder zu handeln. Ich mache anderes dafĂĽr. Und ich wende mich an Gott – so wie ich gerade bin. König David bittet an anderer Stelle: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.“ (Psalm 51, 12-14). Was fĂĽr ein einfaches, demĂĽtiges und erwartungsvolles Gebet!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

In der Advents- und Weihnachtszeit:

 

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ (Offenbarung 21,2)

Es war DAS Medienereignis im Mai:  Prinz Harry und Meghan Markle heirateten.  Bei aller Romantik habe ich mich gefragt: Verstehen die beiden Menschen da ĂĽberhaupt noch, was  gerade geschieht und fĂĽr was sie sich entschieden haben? Kommt das, was das Herz bewegt, ĂĽberhaupt noch zur Geltung bei all dem festlichen (oft auch sehr Hollywood-mäßigen) Drumherum? Ich glaube und hoffe fĂĽr Brautpaare immer das Allerbeste und traue dem Segen, der ĂĽber ihnen gesprochen wird, alles zu – aber ich zweifle manchmal trotzdem: „Wird das halten?“ Denn ich habe schon zu viele Ehe zerbrechen sehen… Ă„hnlich geht es mir mit dieser Vision von Johannes am Ende der Bibel:

Wie lange wird diese Erde unter Gottes Himmel, das „alte Jerusalem“ noch halten? Ein Blick auf die Entwicklungen der Welt lösen bei mir derzeit ĂĽberhaupt  keine gespannt-freudige Erwartung wie vor einer Hochzeit aus! Hält unser Planet uns noch so lange aus - oder schmilzt er vorher dahin und verweht zu Staub? Werden WIR durch-halten? Wird unsere Hoffnung auf das Wiederkommen Jesu durchhalten - bis zu dem Tag, wo das NEUE das ALTE ablöst? Wo Gott alle Wunden heilt und wir uns unbeschwert freuen können – ohne traurige Ereignisse im Hintergrund? Wird Gott halten, was er verspricht? Warten wir zu Recht auf diesen Tag, an dem sich ALLES zum GUTEN wendet, wo „Schwerter zu Pflugscharen“ umgebaut und Löwe und Lamm MITEINANDER leben werden? Ich glaube, wir haben guten Grund, so kritisch zu nach dem Bestand der Welt zu  fragen, in der so vieles bedroht und verletzt  ist -  inklusive uns.  Denn Hass, Gewalt und Menschenverachtung haben derzeit Hoch-Konjunktur – da ist wenig Raum fĂĽr Hoch-Zeiten. Und doch will Gott Raum in dieser Welt nehmen. An Weihnachten betritt Gott in Jesus Christus unseren Planeten. Aber sind seitdem die Ă„ngste und Probleme dieser Welt verschwunden? Johannes ist der Meinung, dass wir dadurch eine neue Perspektive einnehmen sollen: „Seht doch,  WAS und WER da noch kommt! Seht, welche Zukunft wir trotz aller Probleme und Schwierigkeiten haben werden!“ Gott schafft sich und uns Hoch-Zeiten, wo wir sie kaum noch glauben können. Das Bild von der Hochzeit ist nicht zufällig: Gott bindet sich liebevoll an uns. Gott geht eine Beziehung ein, in der die Liebe nicht mehr aufhört. Ab und zu bekomme ich den Schmuck dieser Braut zu sehen: Wenn eine Melodie mich begeistert, ein Wort mich tröstet, wenn zwei sich liebevoll umarmen.  Ăśberall, wo ich Liebe sehe, erlebe, beobachte – da habe ich ein StĂĽck der Braut gesehen, da habe ich Gott gesehen. Denn Gott ist die Liebe. Wir sollen bei allen beängstigenden Meldungen und Entwicklungen nicht ĂĽbersehen: Gott ist unter uns! Johannes will uns nicht auf den Himmel vertrösten - die schmucke Braut kommt ja aus dem Himmel herab zur Erde. Nicht erst im Himmel wird das Alte geheilt und wieder neu, nein, es geschieht hier und heute schon. Gott hat unsere Wirklichkeiten mehr im Blick, als wir meinen – die groĂźen und die sehr persönlichen. Die Liebe Gottes, die sich in dieser Braut zeigt, ist nicht von dieser Welt, aber fĂĽr diese Welt. „Vom Himmel hoch…“, aber fĂĽr uns „hier unten“. Gott hat sich mit uns verlobt. Er hat uns die Hochzeit mit ihm versprochen. Daran können auch Not, Tod und der Lauf der Welt nichts ändern. Gott steht zu seinem Wort. Wir erwarten das Wiederkommen Jesu. Das bedenken und feiern wir besonders in der Advents- und Weihnachtszeit.                        

Pastor Sebastian BegaĂźe

 


NACH der Sommer- und Urlaubszeit:

Abschied nehmen und sich dennoch freuen können

 

„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut - weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3,11)

Die Sommerzeit ist fĂĽr viele die schönste Zeit des Jahres. Auch wenn manche unter der Hitze stöhnen – das Licht, die Farben und Wärme tun einfach gut. Aber jeder Sommer und Urlaub gehen auch mal zu Ende. Die Tage werden jetzt wieder kĂĽrzer, das Laub verfärbt sich schon hier und da. So langsam geht es auf Herbst und Winter, auf  Jahresende zu. Vielleicht werden wir etwas melancholisch, weil Ende auch immer Abschied bedeutet.

Im Buch des sogenannten PREDIGERS (oder auch BUCH KOHELET, im Altes Testament) findet sich oft der Satz: ``Es ist alles ganz eitel...`` Hinter diesen etwas depressiv klingenden Worten steckt die Erfahrung, dass ALLES, wonach wir gestrebt haben, was wir uns mĂĽhsam aufgebaut und womit wir uns  eingerichtet haben, am Ende unseres Lebens doch wieder loslassen mĂĽssen. WofĂĽr dann das alles? Der Schreiber beobachtet das Leben kritisch: „Alles hat seine Zeit.“ Auch Schweres,  Ungerechtigkeit, Gewalt, Zerstörung, Krankheit… haben leider „ihre Zeit“. Darum kommt der Prediger zu dem Schluss: „Ich habe erkannt, dass es nichts Besseres gibt, als sich zu freuen und Gutes im Leben zu tun. Wenn ein Mensch isst, trinkt und Gutes genieĂźt bei all seiner MĂĽhe, dann ist das auch eine Gabe Gottes.“  (3,12f) Der Prediger denkt ĂĽber den Sinn des Lebens nach, warum dies und jenes geschieht, wofĂĽr das alles gut sein soll… aber er sucht keine billigen Antworten. FĂĽr ihn ist trotz aller Sinnlosigkeit und allem Nichtverstehen sein Gottvertrauen Trost und Halt:  Nichts passiert ohne Gott. Nichts passiert, ohne dass es nicht in irgendeiner Weise mit Gott dem Schöpfer, dem Geber und Nehmer allen Lebens, zu tun hat – „nur dass der Mensch nicht verstehen kann das Werk, das Gott tut - weder Anfang noch Ende.“ Gleichzeitig hat Gott uns die Sehnsucht nach seiner Ewigkeit – anders gesagt: nach dem Himmel, nach unvergänglichem GlĂĽck, nach Leben ohne Ende ins Herz gelegt. Wie sehr wollen Menschen oft „den Himmel auf Erden“, sind bereit, dafĂĽr einen hohen Preis zu zahlen… und verlieren am Ende doch alles und nehmen Schaden an ihrer Seele. Der „Himmel“, die Ewigkeit Gottes lässt sich nicht auf Erden schaffen - sondern wir sind noch unterwegs dahin. Bis wir angekommen sind, bleibt uns bis dahin darum nur eines: HEUTE zu leben, hier und jetzt zu leben – in Gottes Gegenwart. Denn nach gestern kann ich nicht zurĂĽck und die Zukunft findet noch nicht statt. Alles hat heute wieder seine Zeit: Leben und träumen, Arbeit und MĂĽhe, Freude und Ausruhen… „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit“ – den Baum, die Knospe, die Frucht, die Reife… können wir das Schöne in jeder Lebensphase erkennen? Die Jahreszeiten sind dafĂĽr gute Beispiele: Geburt, Kindheit, Jugend – im FrĂĽhling wächst alles frisch heran und  entfaltet sich. Im Sommer bauen wir unser Leben mit Beruf, Partnerschaft, Familie aus. Im Herbst betrachten wir die FrĂĽchte unseres Lebens, während sich die Haare langsam verfärben. Im Winter kommt alles zu Ruhe, darf sich zurĂĽckziehen und einschlafen...  Wir mĂĽssen an der Vergänglichkeit von Leben und GlĂĽck nicht verzweifeln, weil Gott in den Dingen und Menschen unseres Lebens gegenwärtig ist und sich darin finden lassen will.  Wenn Schönes endet, kann das traurig machen. Aber auch das, was traurig macht, hat ein Ende. Auch der Tod hat mal ein Ende. Gott sei Dank!  Nicht automatisch, sondern weil Jesus die Macht der SĂĽnde und des Todes fĂĽr uns durchbrochen hat. „Es ist nur einer ewig und an allen Enden - und wir  in seinen Händen.“ (Matthias Claudius) 

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

In der Sommer- und Urlaubszeit:

Zu Gast bei Freunden?!

 

 â€žVergesst die Gastfreundschaft nicht! Denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.´´ (Heb. 13,2) „Vergesst nicht!“, das bedeutet: Eigentlich ist das klar! Man soll sich eben nur noch mal dran erinnern - dass Gastfreundschaft eine biblische Selbstverständlichkeit ist. Gastfrei zu sein ist ein Gebot fĂĽr alle Christen.

Gastfreundschaft ist keine Beliebigkeit, sondern sie ist ĂĽberlebenswichtig in den Regionen, in denen FlĂĽchtende, Reisende und Nomade auf Wasser, Nahrung und Obdach angewiesen sind.

Schon zu alttestamentlichen Zeiten wird der Gast, der Fremde, der bei einem wohnt, durch Gott gesetzlich geschĂĽtzt:

„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (3.Mose 19,33f; 5.Mose 10,19)

Wie die Witwen und Waisen als Schwächste der Gesellschaft steht er unter Gottes besonderem Schutz.

Im Neuen Testament erzählt Jesus viele Gleichnisse von Gästen, Gastgebern und Gastmahlen. Jesus selbst lädt sich beim stadtbekannten SĂĽnder und Zöllner Zachäus zum Essen ein. Die verzweifelten JĂĽnger auf dem Weg nach Emmaus sitzen am Ende ĂĽberrascht mit dem auferstandenen Jesus an einem Tisch. Am See Tiberias werden die JĂĽnger  nach einer erfolglosen Nacht des Fischens von Jesus zum Essen mit Fisch und Brot eingeladen. Im Gottesdienst erinnern wir uns: Das Abendmahl ist unter anderem Ausdruck der Gastfreundschaft Jesu, die allen gilt.  Im Epheserbrief werden Christen nicht länger „Gäste und Fremdlinge“ genannt, sondern „MitbĂĽrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Eph. 2,9) Gott liebt den Fremdling! Alle sind letztendlich Gäste Gottes.

„Die Kinder Gottes leben auf Gottes Erde als Gäste, nicht als Herren und Besitzer oder gar Besatzer.“ (Psalm 119,19; Hebr. 11,13).

Aber wer sind nun die „engelsgleichen“ Gäste, die einige (vielleicht auch von uns) schon beherbergt haben? Ein Gast ist vor allem erstmal ein anderer. Er ist anders als ich. Damit fängt die Gastfreundschaft an: Es sitzen keine Spiegelbilder von mir am Tisch. Vielleicht haben meine Gäste noch nicht einmal den gleichen kulturellen oder religiösen Hintergrund wie ich. Gäste sind – mal länger, mal kürzer - Weggefährten, die eine Strecke meines Lebens mit mir teilen. Aber sie sind nicht ich. Sie sind Andere. Das mag Gastfreundschaft auch schwierig machen. Gäste zu haben, kann auch sehr anstrengen:

„Besuch ist wie Fisch – nach drei Tagen stinkt er.“ Dennoch: Der andere, der Fremde, der Gast bringt im besten Fall seinen Dank mit. Gäste bereichern den Gastgeber, denn es gibt ein gegenseitiges Interesse aneinander. Geplanter wie auch ungeplanter Besuch kann sich als großer Segen erweisen. Darum: Was Gäste mitbringen, soll geschützt sein in (m)einem gastfreundlichen Haus, in (m)einer gastfreundlichen Gemeinde. Was Gäste beim Gastgeber erleben, soll sie stärken und mit ihnen gehen, wenn sie wieder weiterziehen. Einige von uns haben so schon unbewusst Engel beherbergt. Und sogar Jesus selbst, wenn er sagt:

„Ihr werdet euch noch wundern, wo ich euch im Nächsten begegnet bin, wo ihr mich gespeist, mit Kleidung versorgt und besucht habt.“ (Matth. 25,34ff)

Grundsätzlich sind Engel in der Bibel vor allem Boten Gottes. Boten, die in Gottes Auftrag den Menschen etwas zu sagen haben. Was hat mir ein Gast zu sagen? Wo war da vielleicht auch Gottes Rede an mich? 

Wenn in der Urlaubszeit wieder viele von uns zu anderen Orten unterwegs sind – dann sind wir selbst als Gäste unterwegs. Als Gast bin ich auch immer Botschafter meines Landes, meiner Kultur, meiner Werte, meines Glaubens. Welchen Eindruck hinterlasse ich bei meinen Gastgebern - in den Pensionen, Hotels und Badeorten? Hoffentlich den, dass ich gerne wiederkommen darf. Und eine Freude ĂĽber meinen Besuch und das, was ich mitgebracht und dagelassen habe. 

Eine gesegnete Urlaubszeit - kommen Sie gesund und erholt wieder!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 

 

Passionszeit, Karfreitag und Ostern

„Es ist vollbracht!“ 

(Johannes 19,30)

Seit einiger Zeit ist öffentlich öfter zu hören, dass das strenge Feiertagsgebot, welches fĂĽr den Karfreitag gilt, verändert werden soll. Bisher sind Tanzveranstaltungen und laute Musik verboten. Das stört vor allem diejenigen, die mit Glauben, Jesus und dem Karfreitag nichts anfangen können. Was bedeutet der Karfreitag fĂĽr uns? Welche Bedeutung hat der Tod Jesu fĂĽr UNSER Leben? FĂĽr mich zeigt sich am Karfreitag, in der Passion und Kreuzigung Christi, das Herz Gottes. Karfreitag ist DER Tag, an dem Trauer, Ungerechtigkeit, Schmerz und Tod offen thematisiert werden. Auch unsere eigene Hilflosigkeit und Gebrochenheit. All das, was uns angetan wurde - und das, was wir anderen angetan haben. Das alles will an diesem Tag erstgenommen und ausgehalten werden. 

„Komm und sieh!“ Der Evangelist Johannes zitiert die Worte, mit denen Jesus oft einlädt. „Komm und sieh!“  Was sehen wir bei uns – was sehen wir bei anderen?  Die meisten Menschen fĂĽhren ein Leben in stiller Verzweiflung. Tief im Inneren fĂĽhlen Menschen sich oft ausgeschlossen mit ihren Lasten und Sorgen. Das gibt vermutlich niemand gerne zu. „Komm und sieh!“, lädt Jesus uns ein. Wenn Menschen Jesu anschauen, dann sehen sie einen, der sie ansieht, wie Gott sie sieht: Einer, der 5000 hungrige Menschen satt macht, der Kranke geheilt, Tote auferweckt, Abzockern wie dem Zachäus einen Neuanfang möglich macht - „komm und sieh!“

An Jesu Kreuz lässt Pilatus ein Schild anbringen: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ (INRI). Jesus ist König – aber sein Reich ist nicht von dieser Welt. Ein König, der will, dass wir nicht ichbezogen und genusssĂĽchtig leben, dem Hass keinen Raum geben, sondern stattdessen den Menschen dienen. Mit SO einem „König“ haben viele ihre MĂĽhe. Dann lieber „Auge um Auge“ oder „zuerst komm ich und dann ich“. Soldaten wĂĽrfeln um Jesu Kleider - selbst die Wehrlosen werden noch entehrt und gequält. Es gibt kein Erbarmen, wenn Menschen erstmal auf Touren kommen! Ein Unschuldiger wird zu Tode gefoltert – und Gott hält dabei auch noch die Fäden in der Hand… Das scheint so sinnlos. â€žEs ist vollbracht!“, ruft Jesus am Kreuz. Eher möchte man rufen: „Was hat´s gebracht??“, angesichts dieses Endes von Jesus. Aber es ist kein Zufall, dass Jesus in der Stunde stirbt, in der im Tempel die Lämmer fĂĽr das Passahfest geschlachtet wurden. „Siehe, das ist Gottes Lamm, das die SĂĽnde der Welt trägt.“, schreibt Johannes zu Beginn seines Evangeliums (1,29). Dass wir Gott nicht „sehen“, anerkennen wollen,  dass er eben nicht  unser „König“ ist, das ist unsere SĂĽnde. Wir scheitern fortlaufend daran, Gott mehr zu lieben, als alles andere. Weil Gott aber nicht einfach ĂĽber unsere SĂĽnde hinwegsieht, ruft sie immer das Gericht hervor. Darum nimmt Gott selbst in seinem geliebten Sohn die SĂĽnde der Menschheit auf sich, denn Gottes Sehnsucht sind wir! Jesus zieht am Kreuz unsere Gottlosigkeit auf sich. Jesus nimmt auf sich, was wir an Gutem unterlassen – und ist so das Lamm, das unsere SĂĽnde trägt. Von der Geburt Jesu an Weihnachten bis zum Karfreitag am Kreuz läuft nicht einfach ein unmenschliches Drama ab, sondern Gott vollendet am Karfreitag unsere „Verschonung“. Darum sagt Jesus am Ende: „Es ist vollbracht!“ Gott hat´s geschafft: Das Gericht, das uns gilt, hat stattgefunden - und zwar hier am Kreuz.

Wer sich von Gott verlassen meint oder denkt, diese Welt läuft Gott mit ihren Gräueltaten, Katastrophen und Elendszeiten aus dem Ruder – der sehe genau hin: Jesus ist Dein König! Kein König, der fordert und nimmt – sondern ein König, der alles gibt: sein Blut, sein Leben. Damit wir leben können – frei von Schuld, in Ewigkeit, ungetrennt in Gottes neuer Welt. Ja, es ist vollbracht: FĂĽr Dich, fĂĽr mich - fĂĽr immer.   

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Monatsspruch Dezember 2017

 â€žDurch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere FĂĽĂźe auf den Weg des Friedens.

(Lukas 1,78-79)

Mit diesen Worten beschlieĂźt der alte Zacharias sein Gotteslob nach der Geburt seines Sohnes Johannes. Später wird dieser als „Johannes der Täufer“ dem Wirken Jesu mit Aufrufen zu Umkehr und Taufe vorangehen. Jesus wird noch als „aufgehendes Licht“, als lang ersehnter Messias, als „Sonnenaufgang“ alle Finsternis verdrängen, unter der die Menschen leiden:  Gewalt, Ungerechtigkeit, Hass, Krankheit und Tod lösen sich im warmen Lichte Gottes auf. An Weihnachten berĂĽhren sich Himmel und Erde. Der unsichtbare, unfassbare Gott wird ein Mensch, sucht die intime Nähe mit uns. Gottes herzliche Barmherzigkeit mitten unter den Menschen: Jesus  heilt die Kranken, weckt Tote auf,  vergibt SĂĽndern ihre Schuld, setzt sie wieder auf die richtige Spur, tröstet die Armen und Misshandelten… Und wer sind heute die „Schattengewächse“, die die Zuwendung Gottes brauchen? Vor allem wir dĂĽrften damit gemeint sein – denn wer kennt nicht die Dunkelheiten, die sich in Herz und Seele einnisten können: Angst, Sorgen, VorwĂĽrfe, Scham, Zorn, Bitterkeit... Wer bräuchte sie nicht – die liebende, stärkende, verzeihende Zuwendung Gottes? Aber die anderen doch genauso! Die Not der anderen ist ein Schrei nach Gottes Liebe UND nach meiner Hilfe. Die Menschen neben mir, in Gemeinden und Bussen, auf den StraĂźen, unter BrĂĽcken und in NotunterkĂĽnften - sie werden zur Anfrage an die GlaubwĂĽrdigkeit meines Glaubens. Danach, wie ernst es mir mit der Barmherzigkeit Gottes unter den Menschen ist. Das ist die andere Seite von Gottes VerheiĂźung: Dass er eben nicht nur meine Finsternis erhellt und auflösen will – sondern auch meine FĂĽĂźe auf einen Weg des Friedens ausrichtet. Ein Weg, ein Prozess, der seine Spuren hinterlassen wird: So dass ich noch mehr berĂĽhrt und zu Hilfe und Gebet bewegt werde durch das, was Menschen neben mir bedrängt und belastet. Und bitte nicht nur an den Weihnachtstagen mit schönen Geschenken und groĂźzĂĽgigen Spenden - sondern das ganze nächste Jahr. Dazu gehört auch politisches Engagement! Denn die Liebe ist politisch. Gottes Liebe wird immer gegen Hass, Gewalt, Krieg und lebenszerstörende Systeme sein. Deutschland ist derzeit drittgrößter Waffenexporteur weltweit. Warum muss unser Land (mit der Erfahrung von zwei Weltkriegen) diesen Platz im Waffenhandel einnehmen – und an Kriegen verdienen, die wir nachher bedauern? „Liebet eure Feinde! Betet fĂĽr die, die euch verfolgen!“ – das sind die herausfordernden Worte Jesu fĂĽr unsere Zeit. Wer das dumm oder naiv findet, sollte die Alternativen bedenken! Nehmen wir Jesu Worte ernst, gibt es keine Alternative fĂĽr Frieden und AbrĂĽstung, fĂĽr Gerechtigkeit bei gleichzeitiger Vergebung. Auch das ist ein Erbe der „Reformation“, die wir dieses Jahr besonders gefeiert haben: Dass wir uns nicht mit den aktuellen Umständen abfinden - weder mit einem schleichend wachsendem Hass noch mit angedrohten Atombomben.  Als Christen sollen wir wachsam sein fĂĽr das, was in unserem Land und in der Welt passiert! Martin Luther King sagte in seiner Rede „Stride toward freedom“ (Schritt zur Freiheit, 1958): „Gegen Ungerechtigkeit wollen wir in direkter Aktion vorgehen, ohne zu warten, bis andere handeln. Ungerechten  Gesetzen wollen wir nicht gehorchen und uns ungerechten Machenschaften nicht unterordnen. Das alles wollen wir friedlich, öffentlich und heiter tun, denn unser Ziel ist es, andere zu ĂĽberzeugen.“ Gott mache uns bereit, Frieden zu wagen. Echter Frieden wird uns auch spĂĽrbar etwas kosten. Aber die Ausgaben werden gering gegenĂĽber dem Gewinn sein! Gott befriede den Unfrieden in uns und mache uns zu Botschaftern seines Friedens: In der Adventszeit, an den Weihnachtstagen – und auch im neuen Jahr. „Denn das Beste von allem ist, dass Gott mit uns ist!“ (John Wesley)

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

„Die Letzten werden die Ersten sein.“

(Lukas 13,30)

Wer Gewinner oder Verlierer ist – das scheint der andauernde Wettkampf im Leben zu sein: „Mein Haus, mein Geld, mein Auto, meine Kinder…!“ Kennen Sie solche „Angeber?“ Als meine Frau und ich im Urlaub  an einem Flughafen auf unsere „Ausreise“ warteten, haben wir erlebt, wie sich Menschen mit Gewalt und „Trick 17“ an uns vorbeidrängelten, um sich einen Vorteil zu sichern. Und weil wir auch schon seit langer Zeit in der Schlange und in stickiger Luft, ĂĽbermĂĽdet und gelangweilt warten mussten, waren wir von diesem „Wettkampf“ sehr genervt. „Wer ist der Größte, Bedeutsamste, Beste von uns?", fragten sogar die JĂĽnger Jesus einmal. (Lukas 9,46) Und meinten damit: „Hoffentlich sagt Jesus, dass ICH ein Recht auf den Himmel habe -  weil ich der Beste, Frömmste, GroĂźartigste bin! Dass ich ein Vorbild bin und den anderen sagen kann, wo der Hase lang läuft!“ Bis heute ist auch unter Christen diese Denke nicht totzukriegen. Hanns Lilje, ehemaliger stellvertetender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, stellte fest: „Alle wollen in der Kirche dienen - am liebsten in leitender Stellung.“  Die Frage ist nur:  Wo will ich denn Einfluss haben? Ăśber wen? Und mit welchen Mitteln? Und vor allem: Von wem will ich eigentlich anerkannt werden - und warum?

Doch statt sich diese Fragen zu stellen, dreht sich das Anerkennungskarussell munter weiter: Da wird über das Internet Einfluss auf Wahlen genommen, da wird gelogen und betrogen, um sich selbst ins rechte und die Konkurrenz ins schlechte Licht zu setzen. Gut, dass wir in einer Demokratie leben, in der die Macht von vielen Wählern nach besten Regeln legitimiert werden muss. Und wo Ämter immer nur bis zur nächsten Wahlperiode besetzt werden.

Sicherlich hat auch eine demokratische Regierung ihre Macken - aber von allen Regierungssystemen sichert sie die größtmöglichste Freiheit für alle Bürger - so lange man miteinander und nicht gegeneinander leben will. Dass ein großes Maß an Freiheit und Selbstbestimmung keineswegs selbstverständlich ist, kann man in letzter Zeit in so einigen Staaten mit Sorge beobachten! Das war auch schon zu Jesu Zeiten so. Die Römer hielten unter anderem auch das damalige Palästina besetzt. Jesus weiß also, wovon er spricht, wenn er den Jünger auf die Frage nach ihrem Ranking antwortet:

„Ihr wisst, dass die Könige Tyrannen sind und die Mächtigen ihre Völker niederhalten und ungerecht behandeln. Aber bei euch soll es anders sein! Wer der Größte unter Euch sein will, wer euch anführen will, der soll euch dienen. Wer unter euch der Erste sein will, soll vor allem für die anderen da sein. Denn ich bin nicht zu euch gekommen, damit ihr mir dient, sondern um euch zu dienen!“ (Markus 10,41ff)

Jesus sieht das mit dem Wunsch nach Größe und Bedeutung ganz anders: Bei Gott geht es nicht darum, der Beste, Größte, Stärkste zu sein - damit ich ĂĽber andere triumphieren kann. Sondern: Wer wichtig und bedeutsam, hilfreich fĂĽr das Leben anderer sein will - der soll Menschen mit seinen Kräften, mit seinem Wissen, mit seiner Liebe helfen.  Mit Menschen, die mir helfen, lebe ich auch viel lieber zusammen, als mit solchen, die sich ĂĽber mich stellen. Ich habe dann auch viel mehr Lust, Freude und Bereitschaft ihnen wiederum zu helfen und sie zu fördern. Nichts anderes sollte das „Wesen“ der Kirche, einer Gemeinde und auch das „Kerngeschäft“ jeder Gesellschaft sein: FĂĽreinander da zu sein. Nicht der eigene Ruhm, sondern die Liebe, die Sorge um andere sollen im Mittelpunkt stehen. Anders will Gott nicht unter uns leben! Machen wir uns nichts vor:  Dreistes Drängeln, BetrĂĽgen, Rechthaben oder Machthunger bringen mich weder einen Schritt näher zu meinem Nächsten noch näher an Gottes Herz.     

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Muss man Gott mehr gehorchen als den Menschen?

  (Apg. 5,29)

„Gehorchen“ ist bei uns vermutlich eher negativ besetzt. Es klingt so nach „jemandes Pfeife tanzen“. In der Apostelgeschichte steht, wie es zu diesem Satz kommt: Petrus und die anderen Apostel werden verhaftet, weil sie sich dem Predigtverbot des Hohen Rates widersetzt hatten. Ein Engel Gottes befreit sie aus dem Gefängnis und befiehlt ihnen, weiterhin im Tempel von Gottes Liebe, Kraft und Hilfe zu predigen. Als die Jünger daraufhin ein weiteres Mal vom Hohen Rat verhört werden, antwortet Petrus mit: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. – und schließt gleich noch eine Predigt über den auferstandenen Jesus an.

Szenenwechsel: Mehr als 5000 Männer und Frauen waren damals zu Jesus gekommen, um ihn zu hören und zu sehen. (Matthäus 14, 13ff) Sie hatten alles stehen und liegen lassen, um einem zuzuhören, der mehr zu sagen wusste, als nur von Anständigkeit, Erhalt des bürgerlichen Wohlstands oder Sich-nichts-zu-Schulden-kommen-lassen zu reden. Jemand, der nicht nur die schöne oder schreckliche Spitze des Eisbergs bei Menschen sah, sondern den ganzen, schweren, unsichtbaren Klumpen, der Menschenleben so beschwert. Der etwas von der Sehnsucht verstand, die tief im Herzen eines jeden Menschen schlummert: Diese nicht klein zu kriegende Sehnsucht, dass es im Leben doch mehr geben muss als eine nicht mehr zu ändernde Vergangenheit, eine dürftige Gegenwart, eine trügerische Zukunft. Diesem einen wollten sie folgen, wollten sie zuhören. Und er lud sie ein, sich zu setzen, Pause zu machen, auszuruhen. Er ließ Essen austeilen, Fische und Brot. Und es reicht für alle. Woher er das viele Essen nahm, dass wussten sie nicht. Sie wussten auch nicht, dass ihre Mahlzeit ursprünglich nur aus zwei Fischen und fünf Broten bestand. Aber sie spürten: Da kümmert sich jemand ernsthaft, dass ich satt an Leib und Seele werde.

Das Hören auf Gott – im Gebet, im Gottesdienst, beim Bibellesen, im vertrauensvollen Gespräch mit anderen - ist kein Selbstzweck. Denn Zuhören, aufeinander hören, ist die Grundlage jeder guten Beziehung – auch meiner Beziehung mit Gott. Darum lohnt es sich, auf Gott zu hören: Der Gehorsam bewahrt die Gehorsamen davor, falschen Mächten zu folgen, seien es menschliche Autoritäten oder zerstörerische Triebe, Gedanken, Absichten. Denn Menschen folgen immer irgendwem oder irgendwas. Die Frage ist darum nicht: „Gehorsam oder Freiheit? – sondern: „Auf Gott hören – oder Menschen gehorchen? (Und damit unter Umständen lebensfeindlichen Mächten.) 

Gott, auf den ich höre, dem ge-höre ich auch. Und der, dem ich gehöre, der hört und erhört mich auch. „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte der nicht sehen? (Psalm 94,9)

Natürlich könnte man den Satz von Petrus auch als Deckmantel zum Durchsetzen und zur Rechtfertigung des eigenen Willens missbrauchen: „GOTT hat mir das schließlich gesagt… Aber wer keine Worte des Lebens, der Güte, der Liebe zu verkündigen hat, wer nicht von der Freiheit des Glaubens, von der Versöhnung durch Jesus, von Vergebung und Frieden Gottes spricht, der kann sich auch nicht auf den Gehorsam gegenüber Gott berufen.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Aufstehen zur Auferstehung!

Wir hatten uns ein Jahr nicht gesehen und waren in der Straßenbahn ins Gespräch vertieft. Bei der nächsten Station stiegen ein paar Leute ein, die an uns vorbeikamen. Plötzlich lautes Gebrüll: „Sehen Sie nicht, dass hier alte Leute sind? Machen Sie gefälligst Platz und stehen Sie auf! Ein 70-Jähriger schrie uns mit hochrotem Kopf an. Etwas verdattert versuchte ich zu erklären, dass wir weder unhöflich noch rücksichtslos hatten sein wollen. Wir waren einfach nur abgelenkt gewesen. Eine alte Dame nahm daraufhin dankbar meinen angebotenen Sitzplatz ein. Der ältere Herr war aber immer noch nicht zufrieden. Es ergab sich ein kurzes Gespräch über „Werte und Anstand heutzutage, bis er – etwas ruhiger – an der nächsten Station wieder ausstieg.

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der HERR. (Lk 24,5-6) Das Aufstehen, Sich-Erheben von seinem Sitz vor einem alten Menschen ist – damals wie heute – ein Zeichen des Respekts. Gleichzeitig nimmt es die in der Regel schwächere körperliche Verfassung eines Menschen ernst. Ich wünsche mir diesen Umgang mit mir auch in gleicher Weise, wenn ich eines Tages so alt bin!

Aber der Ehrung der Alten wird die Furcht vor Gott an die Seite gestellt. Die Alten (Eltern) sind zu ehren – aber nicht an die Stelle Gottes zu setzen. Die Alten ehren bedeutet: die nachlassende Sinneskraft – und auch die nachlassende Geisteskraft – nicht zum eigenen Vorteil ausnutzen. Ob es um Geld, Vollmachten, Wohnen oder medizinische Versorgung geht. Freilich setzt das „geehrt werden auch ein der Ehre entsprechendes Verhalten voraus. So gilt umgekehrt auch, dass die nachlassende Kraft im Alter nicht ausgenutzt wird, um andere herumzukommandieren.

Im Buch des Predigers beschreibt Kohelet ungeschminkt die MĂĽhen des Alters: Wenn „Jahre sich nahen, wirst du sagen: Sie gefallen mir nicht. (12,1-7) Und mit der Bitte um Gottes Nähe sagt der Psalmbeter: „Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde. (Palm 71,9) Die Antwort Gottes finden wir bei Jesaja: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will tragen und heben und retten.  (Jes. 46,4) An Ostern feiern wir genau dieses Heben und Retten - den Sieg Jesu ĂĽber den Tod. Das Grab ist leer! Der gekreuzigte Jesus lebt! Gott hat ihn von den Toten auferweckt! Mit voranschreitendem Alter naht sich auch unser Ende. Und das kann frĂĽher eintreten als wir meinen. Gegen die Angst vor dem Ă„lterwerden, vor dem Sterben und vor dem Tod helfen mir dabei zwei Gedanken: Das weltliche Leben ist begrenzt. Darum ist auch alles, was uns traurig macht und Angst macht, begrenzt. Gleichzeitig ist Jesus nicht im Tod geblieben. Mit ihm darf auch ich wieder auferstehen – in Gottes neuer Welt. „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lk, 24,5-6)  ZurĂĽck zum Vorfall in der StraĂźenbahn: Ich weiĂź nicht, welche Erfahrungen der engagierte Senior bisher in seinem Leben gemacht hat – aber offenbar solche, durch die er sich benachteiligt, ungeliebt, unbeachtet fĂĽhlte und die ihn zornig werden lieĂźen. In solchen Momenten ist es wichtig, dass wir darauf achten, wie wir als Christen mit anderen reden. „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewĂĽrzt, damit ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. (Kol. 4,6) Salz klärt, reinigt und heilt. Das bedeutet, dass der andere etwas von der Gnade und Liebe Gottes, die mir und auch ihm immer wieder gilt, etwas spĂĽren soll - weil er das auch alles braucht! Sich zu entschuldigen, wo es nötig ist, Gutes vom anderen sagen, „alles zum Besten kehren – das ist es, was die Menschen um uns herum dringend brauchen. Es braucht dafĂĽr Christen, die andere nicht in Verletzung und Wut angiften – sondern die etwas von der Liebe Jesu, von der Hoffnung auf Auferstehung, von der eigenen Erfahrung mit Vergebung, Heilung und Zurechtbringung ausstrahlen.

 Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Wie tröstet Gott?

Die Losung fĂĽr dieses Jahr 2016 war und ist ein groĂźes Versprechen: 

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13) 

Als frischgebackene Eltern haben wir dieses Jahr schnell gelernt, wie wir unseren (nun schon vier Monate alten) Sohn trösten können, wenn er weint und schreit: Stillen, Streicheln, Windeln wechseln, auf den Arm nehmen… die GrundbedĂĽrfnisse eben. Ganz oft hat ihm das geholfen. Er hörte auf zu weinen, schlief ein oder spielte wieder fröhlich weiter.  Bis heute können wir das Weinen unseres Kindes nur schwer aushalten. An entspanntes Reden oder Fernsehgucken ist dann nicht mehr zu denken. Zuerst will die Not behoben sein. Wenn es uns als Menschen schon so geht, wie wird es Gott als Schöpfer, als „Vater, bzw. „Mutter mit uns als seinen „Kindern gehen?

Gott sagt es uns durch den Propheten Jesaja: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. (Jes. 49,15)Vieles ist dieses Jahr geschehen, wo Trost so bitter nötig war. Wenn ich an die Krisenmeldungen in den Medien denke und an Gespräche, in denen es um Krankheit, Tod, berufliche oder familiäre Schwierigkeiten ging. Der Glaube an Gott bewahrt uns nicht vor Leid. Selbst als Christ bin ich – wie die restliche Welt - nicht vom Leiden ausgenommen, sondern warte genauso auf Gottes Hilfe:

„Wir wissen, daĂź die ganze Schöpfung mit uns seufzt und sich ängstet. Aber nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir mit dem Geist Gottes beschenkt sind, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes., schreibt Paulus. (Röm. 8,22ff)

Und dann fasst er das, was ihn  fundamental tröstet, danach so zusammen: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? TrĂĽbsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Ich bin gewiĂź, daĂź weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch ZukĂĽnftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 

Dieser Jesus ist es, in dem Gott an Weihnachten als Mensch geboren wird und zeigt, dass er uns nicht vergessen hat. In Jesus lebt, liebt und leidet Gott wie ein Mensch. An Weihnachten feiern wir, dass Gott uns mit unseren Ă„ngsten und Nöten, mit unserem Versagen und unserer Ohnmacht nicht allein lässt. „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heiĂźt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-FĂĽrst. (Jes. 9,4ff)  

Die neu beginnende Adventszeit lädt zu einer bewussten Umkehr zu Gott ein - dass wir uns auf sein erneutes Kommen vorbereiten, mit seiner Hilfe rechnen und die bereits vorhandenen Tröstungen nicht übersehen: Bei einem Gespräch, dass doch noch gut in unerwarteter Weise verlief. Bei einer Entscheidung, die wir annehmen konnten und dadurch zur Ruhe kamen. Bei einem Moment der Klarheit, der neue Kraft gab für alle Fragen und Unsicherheiten, die danach wieder folgten. In einem Moment der Liebe, der uns die harte Wirklichkeit leichter ertragen ließ. Und bei allem, was wir an Grundversorgung bis jetzt hatten – Essen, Trinken, ein Dach über´m Kopf, ein Bett, Freunde, Gemeinde… und wo andere mit uns fröhlich geteilt haben oder wir mit ihnen. Wenn Gott wie eine gute Mutter tröstet, dann fallen mir dazu solche konkreten Dinge ein. Darum: Überall, wo wir einander in diesem Jahr trösten konnten oder von anderen getröstet wurden, war Gott mit dabei. Einiges blieb aber auch traurig und schwer und ist noch nicht vorbei.

Wieder schreibt Paulus dazu: „Ich bin überzeugt, daß dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die noch an uns offenbart werden soll. Paulus leugnet nicht die harten Realitäten des Lebens. Aber er bleibt nicht dabei stehen. Er richtet den Blick auf die Zukunft. Und die ist nicht ungewiss, sondern uns klar verheißen: Schmerzen werden enden. Schuld wird vergeben sein. Das Böse wird aufhören zu existieren. Der Tod wird nicht mehr sein. Ein neues Leben wird durch Jesus Christus mit unserer Auferstehung beginnen.

Ohne diesen Glauben, ohne diese Aussicht auf die Herrlichkeit Gottes hätte Paulus das nicht so schreiben können. Dieser Trost ist nicht von dieser Welt - aber fĂĽr diese Welt. In diesem Sinne wĂĽnsche ich uns besinnliche Feiertage und einen gelassenen Start ins neue Jahr!                                                   

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Ist Gott ein Magnet?

Gott spricht: „Ich habe Dich je und je geliebt, darum habe ich Dich zu mir gezogen aus lauter Güte. (Jeremia 31,3)

Oft kann man diesen Vers bei Beerdigungen am Grab als Trostwort hören. Komplett und wörtlich ĂĽbersetzt lautet der Vers: „Von ferne erschien mir der Herr: Mit ewiger Liebe habe ich Dich geliebt. Darum habe ich die Treue Dir gegenĂĽber in die Länge gezogen. Gott zieht seine Liebe zu uns die Länge. Gottes Liebe und Treue haben immer noch kein Ende, wo das menschliche Können und Wollen aufhören. Keine räumliche Distanz ist fĂĽr Gott zu groĂź, keine HĂĽrde zu hoch, als dass seine Liebe dies alles nicht ĂĽberwinden könnte. Selbst der von Gott entfernteste Mensch kann erreicht werden. Wenn wir im Zeltlager eine Wanderung gemacht haben und es wieder den Berg zum Zeltplatz hinauf ging, dann halfen sich manche Teilnehmer gegenseitig und lieĂźen sie sich von anderen „hinaufschieben oder an den Händen etwas hinaufziehen. Ein  hoffnungsvolles Bild, wenn die Kräfte kleiner werden, die Angst groĂź ist, es auf´s Sterben zugeht: Gott selbst zieht uns wie ein Magnet zu sich heran, schiebt uns den Berg hinauf. So hat es Jeremia erlebt: Seine Gegner hatten ihm eine Grube gegraben. Aber Gott half ihm wieder heraus. Aus der Not ins sichere Boot – so erlebte Petrus das „Herausziehen durch Jesus aus den stĂĽrmischen Wellen. So hat es das Volk Israel immer wieder erlebt: Gott befreit aus der Sklaverei, fĂĽhrt durch die WĂĽste ins verheiĂźene Land.

Aber Gott will uns nicht nur bei unseren Problemen helfen, sondern er möchte uns zu sich hinziehen – in eine echte Gemeinschaft mit ihm und den Menschen um mich herum. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott verzweifelte und stolze, arme und reiche, bekannte und heimliche SĂĽnder angezogen. Sie kam und wollten seine Worte hören, in seiner Nähe sein, weil er sie verstand und nicht wegstieĂź. Jesus fĂĽhlte sich zu den Menschen hingezogen, sprach, aĂź, trank mit und wohnte bei ihnen. Menschen fĂĽhlten sich neu zu Gott hingezogen,  weil sie erlebten, dass sie gewertschätzt, getröstet, von Krankheit, Sehnsucht und Sucht geheilt wurden. „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurĂĽckbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und was fett und stark ist, behĂĽten., so verspricht Gott damals schon dem Volk Israel. (Hesekiel 34,15)

Wo Menschen sich von Gott, von Jesus angezogen fĂĽhlen, da kommen sie irgendwann in den Kontakt mit der Gemeinde Jesu. Und das ist auch der Sinn aller attraktiven Anziehung: Dass Menschen eine Heimat in der Gemeinde Jesu finden. Um es mit einem Gleichnis Jesu zu sagen: Das verlorene Schaf soll eine Herde finden, in der es geschĂĽtzt ist, geliebt wird und nicht mehr einsam ist. Ist das zuviel ĂĽber den Klee gelobt – oder fänden wir so eine Gemeinde nicht auch sehr attraktiv? Daraus ergibt sich der Umkehrschluss: Eine Gemeinde ist dann anziehend, wenn Jesus dort erfahrbar ist: Im Gottesdienst, im Lobpreis, im Lesen in der Bibel, im Reden ĂĽber den Glauben (z.B. in unserem Alpha-Kurs) und wenn wir miteinander Leben teilen. Wenn also Menschen immer wieder, neu oder erneut in unserer Gemeinde auftauchen – sind sie einer Anziehung gefolgt.  Jesus hat sie – spĂĽrbar oder unmerklich – zu sich gezogen und zu uns gezogen. An uns liegt es nun, dass sie das bei uns finden, was sie von Gott brauchen: Hilfe, Liebe, Annahme, Wachstum im Glauben. 

Wir selbst sind übrigens als Gemeinde von Gottes „Ziehen überhaupt nicht ausgenommen! Das kann sich durch eine Aufgabe oder Menschen zeigen, die Gott mir auf´s Herz legt. Oder wenn´s im Gewissen „zieht – weil wir uns entschuldigen, eine Entscheidung korrigieren oder eine Sünde endlich lassen sollen. Wenn wir spüren, dass so etwas „dran ist - lassen wir uns dann auch von Gott in die richtige Richtung ziehen und folgen Jesus nach?

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

  Singen könnte helfen:

„Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.

(2. Mose 15,2)

Damals sangen Mose und das Volk Israel diesen Vers als Dank und Lob fĂĽr die Rettung aus der ägyptischen Sklaverei. Gott hatte den Pharao, der sie mit seinen Soldaten durch das Rote Meer verfolgt hatte, vernichtet. Nun waren sie wirklich frei. Mit so einer Erfahrung im RĂĽcken fällt es sicher leichter, Gott zu loben.„Wessen das Herz voll ist, dem geht der Mund ĂĽber., sagt Jesus in der Ăśbersetzung von Martin Luther (Mt 12,34). Wer vom Guten, von Gott, erfasst, berĂĽhrt worden ist, wer eine beglĂĽckende Erfahrung macht, dem dringt die Freude aus dem Herzen von innen nach auĂźen. Wenn ein Vorhaben geglĂĽckt ist, eine Not sich aufgelöst hat, ein Stein vom Herzen gefallen ist. Ist also mein Herz voll von Gott, dann hab ich ihn auch auf den Lippen. Dann singe ich aus vollem Herzen ein Gotteslied. Oder ich summe vor mich hin, dichte vielleicht etwas unbeholfen einige Worte des Freude und des Dankes. Bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie sie versunken ein Lied oder neue Worte glĂĽcklich mit einer einfachen Melodie wiederholen. Ein Gotteslied auf den Lippen, das ist mir nicht fremd. Aber dass Gott selbst mein Lied sei, das schon. Denn nicht immer ist mein Herz so voll von Gott. Da gibt es auch eine Menge anderes „FĂĽllmaterial. Da gibt es auch groĂźe Sorgen, macht sich nackte Angst breit, tobt heiĂźe Wut oder dämmert Kleinglaube vor sich hin. „Wie oft will das Lob versiegen? (EM 593) – durch bleierne MĂĽdigkeit oder Enttäuschung. Und manchmal mache ich mich auch selber breit und drängle Gott vor die TĂĽr, weil ich fĂĽrchte, er könnte an mir herumnörgeln – und auch noch recht damit haben. Das Lied, das ich dann von mir selbst singe, wird dann zu einem Klagelied. Ich atme im Takt meiner Angst, es kommt nur eine faule, mĂĽde Melodie in Sorgen-Moll dabei heraus. Dann denke ich, dass es besser wäre, gleich zu verstummen – weil mir mutlos und mĂĽde keine Liedzeile, keine schöne Melodie einfällt.  Aber Gott achtet nicht nur auf die Arien, die ich im Brustton meiner Ăśberzeugung im  Heldentenor singe. Gott hört auch auf die leisen Zwischentöne, wo es schräg klingt und die Luft nicht reicht. „Der Heilige Geist vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen., schreibt Paulus. (Römer 8,26) Bei unseren Klagen, Sehnsuchtslieder und mehr gestammelten als volltönig gesungenen „Hallelujas hält Gott sich nicht die Ohren zu – sondern hört genau hin. Aber dass Gott auch hier und heute wirkt, dass er der „mächtige König der Ehren ist, „der alles so herrlich regieret und „aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet hat  (EM 83) – daran kann man auch zweifeln. Das ist oft schwer zu glauben, angesichts der Misstöne in der Welt - böse Herzen haben auch ihre Parolen und Lieder. Aber ist nicht genau das ein Grund, dagegen von Gott zu singen?

Der Musiker und Sänger Bob Marley wurde zwei Tage vor einem Friedenskonzert niedergeschossen. Kurz danach trat er dann aber doch noch leicht verletzt auf. Als er deswegen gefragt wurde, antwortete er: „Die Menschen, die versuchen, diese Welt noch schlimmer zu machen, nehmen keinen Tag frei. Warum sollte ich mir dann frei nehmen?" Bevor ich also an Gott verzweifle und nur noch Totenklagen singe, schaue ich mir Mirjam an, die vor dem Volk Israel nach der erlebten Errettung mit ihrer Trommel einhertanzte. Mirjam erinnerte sich und die anderen singend an das, was Gott getan hat. Das ist eine Haltung, die ich ĂĽbernehmen möchte: Mich immer wieder daran erinnern, was Gott schon längst in meinem Leben getan hat. Wir sind die Gemeinde der Kreuzkirche - und das Kreuz Jesu in unserer Kirche erinnert uns: Wir sind gerettet und befreit. Noch bevor wir die Ketten von Schuld und Tod gefĂĽhlt haben. Wir sind geliebt von Gott. Der Tod ist nicht das Letzte. Am Ende wird sich zeigen, dass Gott stärker ist als alles, was uns traurig oder ängstlich macht. Das Letzte wird nicht ein Klagen und Schreien sein, sondern ein Danken. „Sollt ich meinem Gott nicht singen? (EM 32) Doch, sollte ich.

´´Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit! Gottes Hand erschafft die Welt,  Finsternis sein Wort erhellt Und sein Blick aus Himmelshöhn hat das Elend angesehn. Darum macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!´´ (EM 619)
 

Pastor Sebastian BegaĂźe

*)EM = Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche

 

 Ostern: Von der Enge fasten!

Seit Aschermittwoch hat sie wieder begonnen – die Fastenzeit. Viele verbinden mit Fasten den Verzicht auf Genussmittel - der Gesundheit oder des Aussehens wegen.  Aber die Fastenzeit will mehr sein als nur eine „Wellness-Kur. Die christliche Fastenzeit erinnert an die vierzig Tage und Nächte, die Jesus nach seiner Taufe in der WĂĽste verbrachte und fastete. (Mt 4,1-11)Die Fastenzeit will uns helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, den Unterschied zwischen dem zu erkennen, womit wir uns Abschleppen, wonach man vielleicht sĂĽchtig ist – und wovon Gott mich befreien will. Beim Fasten spĂĽre ich ganz neu meine Grenzen oder das, wovon ich abhängig bin und was mich bindet.

Das wird vermutlich auch ein biĂźchen Kämpfen sein. Vielleicht gibt man sogar nach oder bricht ab… Das zeigt mir besser als alles andere, wie mein Charakter wirklich ist. Eine spannende Entdeckungsreise! Charakter ist nämlich das, was wir denken und tun, was wir reden, wenn wir allein sind. Wenn uns niemand zuschaut, vor dem ich mich rechtfertigen oder erklären muss. Und was tue ich dann in dieser Zeit? Wo könnte ich auch mein Verzichten unterbrechen und nur ich wĂĽrde es wissen? Wenn uns keiner zuschaut, wenn ich sicher bin, ich bin fĂĽr mich. Und  ich ganz ich selbst bin. Das ist mein Charakter. Da wird er offenbar. Ich glaube, deswegen musste Jesus damals, am Anfang seines Wirkens, in die WĂĽste gehen. Weil Gott sagte: „Mein lieber Sohn! Ich möchte Deinen Charakter sehen. Und Du sollst es auch sehen!

Manchmal kann man sich Fastenzeiten selbst aussuchen. Andere Zeiten des Verzichtes mĂĽssen wir oft hinnehmen und ertragen: Wenn wir krank sind, wenn das Geld nicht reicht, um sich den einen oder anderen Wunsch zu erfĂĽllen. Wenn nicht der Urlaub vor einem liegt, sondern viel Arbeit. Wenn Freunde weit weg sind oder keine Zeit fĂĽr uns haben. Das sind unfreiwillige Fastenzeiten in unserem Leben. Aber jede dieser Fastenzeiten zeigt mir mehr, wer ich wirklich bin: Was mir wirklich wichtig ist. Wie stark oder schwach ich wirklich bin. Und Gott verbindet damit nicht: „Dann mach ich Dich klein!, sondern möchte uns dann erheben, an diesem Punkt an uns arbeiten, mit uns weiterkommen: „Wenn Du Dich täuschst, soll die Täuschung ein Ende haben. Wenn du zu klein von dir denkst, soll das aufhören. Wenn du zu groĂź von dir denkst, soll auch das aufhören. Du sollst Dich so sehen lernen, wie ich Dich sehe. Das ist der Punkt, an dem Jesu Weg damals mit dem Fasten in der WĂĽste beginnt. Fasten kann  der Punkt sein, an dem Gottes Weg mit uns beginnt. Doch wer fastet wird auch erleben, wie groĂź die Versuchung sein kann, dem Hunger, dem Appetit, der Gewohnheit nachzugeben - den SĂĽĂźigkeiten, der Lieblingsserie im Fernsehen, dem neuen Spiel auf dem Handy.

Dabei ist das BedĂĽrfnis nach Befriedigung gesund und entspricht unserer menschlichen Natur. Jesus ging es damals in der WĂĽste genau so. Aber wenn ich mir die Versuchungen anschaue, mit denen Jesus rang, dann frage ich mich: „Woran sättige ich mich? Was braucht meine Seele, um satt zu werden?  Wo finde ich das, was meine Seele satt macht? Und natĂĽrlich möchte auch jede/r Bedeutung haben. Aber wo will ich denn Einfluss haben? Ăśber wen? Und warum? Mit welchen Mitteln? Mit Gewalt und bösen Worten? Mit Lästern hinter dem  RĂĽcken oder Betrug? – Und ja: Anerkennung ist wichtig. Aber wessen  Anerkennung ist mir denn wichtig? Die einer Casting-Jury? Vom RudelfĂĽhrer auf dem Pausenhof? Und warum? WofĂĽr brauchen wir diese Anerkennung?

Fasten ist aber nicht nur verzichten, sondern auch gewinnen: Weniger fernsehen oder computern, dafĂĽr mehr Zeit fĂĽr den Partner, die Kinder, fĂĽr ein gutes Buch, fĂĽr Sport, auch fĂĽr´s Bibellesen oder Beten. Eine besondere Fastenaktion der Evangelischen Kirchen steht dieses Jahr unter dem Motto: „GroĂźes Herz! Sieben Wochen ohne Enge.  Da geht es um unser Verhalten, unseren Charakter – unser Herz.  Lassen Sie sich doch davon zu Ihrem ganz persönlichen Fasten inspirieren. Tauschen Sie durch Verzichten eine Enge gegen eine neue Freiheit ein. Gott helfe uns dabei!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Wann wird´s mal wieder richtig Sommer?

So schön die dunkle Jahreszeit mit ihren Festen und Bräuchen sein kann – nicht alle fĂĽhlen sich damit wohl. Viele leiden auch am Mangel von Licht, Farben und Wärme. Man fĂĽhlt sich mĂĽde, irgendwie lustlos, ist schneller gereizt oder näher am Wasser gebaut. Auch Depressionen sind gerade in der dunklen Jahreszeit nicht ungewöhnlich.  Was hilft bei Stimmungstiefs – auĂźer Bewegung, guter Gesellschaft, Musik oder Medikamenten? Und wo ist Gott dabei?  Mitunter kann man von Christen hören: „Wer Gott vertraut, muss keine Angst haben und nicht traurig sein! Du musst nur mehr glauben! Solche Sätze sind nicht hilfreich, sondern verstärken die Not der Betroffenen nur. In der Bibel finde ich etwas anderes und das ist tröstlich: Jesus selbst sagt am Kreuz: „Meine Seele ist betrĂĽbt bis in den Tod. (Mt 26,38). Gott weiĂź aus eigener Erfahrung, wie sehr die Seele leiden kann. In Zeiten der Mutlosigkeit, Traurigkeit und Angst kommt Gott den Menschen nah. In Psalm 34 heisst es: „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes GemĂĽt haben. Gott ist größer als unser Glaube – und auch größer als unsere Angst oder Traurigkeit. Gott hält mich auch dann, wenn ich ihn nicht mehr halten kann. Von seiner Liebe können uns auch Zweifel oder Depressionen nicht scheiden. Gott ist fĂĽr uns da – unabhängig davon, ob wir nun „Helden im Glauben sind oder die Fähigkeit zum Glauben verloren haben. Darum passt es gut, dass Advent und Weihnachten in die dunkle Jahreszeit fallen. Der Monatsspruch im Dezember erinnert uns daran, dass Gott uns nicht allein lässt und wir deswegen Grund zur Freude haben und haben werden: „Jauchzet ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr erbarmt sich seiner Elenden! (Jes. 49,13)

Denn der Grund von Jesu Geburt an Weihnachten ist, unsere Dunkelheit zu erhellen. Um es mit einem Kirchenlied zu sagen: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht endlos sein.

Pastor Sebastian BegaĂźe

PS: Seit Weihnachten werden die Nächste wieder kürzer. Ein echter Lichtblick!

 

Wieder wie Kinder werden?!

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.  (Mt 18,3)

Wie meint Jesus das: „Wie die Kinder werden…? Wie können wir nochmals wie Kinder werden? Sollen wir etwa alles an Lebenserfahrung und –reife ablegen, kindisch werden?  Zu Jesu Zeiten galten Kinder nicht besonders viel. Die JĂĽnger sind genervt, als einige MĂĽtter ihre Kinder zu Jesus schleppen, damit er sie segne. Aber Jesus lieĂź die Kinder zu sich kommen! Und stellte sie den JĂĽngern und uns als Vorbild hin: Kinder können nichts vorweisen und sind  auf Versorgung und Hilfe angewiesen. Wenn in ihrer Entwicklung vieles gut verlaufen ist, haben sie ein Urvertrauen und gehen offen und spontan auf andere zu. Sie wenden sich mit aller Not, Freude und ihren Bitten vertrauensvoll an ihre Eltern. So wie auch wir mit all unseren Sorgen und unserer Schuld uns vertrauensvoll an Gott wenden und ihn im Namen Jesu mit „abba („Papa, „lieber Vater) anreden dĂĽrfen und sollen. Vieles kann man sich heute aussuchen, aber nicht seine eigene Herkunft. Jeder von uns hat Eltern. Und unsere Eltern haben Eltern. Der eine Bruder, der in einem Gleichnis Jesu von mit dem Erbe seines Vaters abhaut und dann als „verlorener Sohn reumĂĽtig zurĂĽckkehrt – dieser Sohn hatte trotz aller Absage immer noch einen Vater. Dieser Vater hat seinen Sohn nie verleugnet und nie aufgegeben. Der Dichter Tolstoi hat es so gesagt: „Du kannst Gott totlachen, totsagen, totschweigen, und ihn doch nicht daran hindern dich zu suchen, dich anzusprechen, dich zu lieben! Wir können unsere Herkunft, unsere Kindschaft ablehnen oder verleugnen. Und doch nichts daran ändern, dass Gott unser „Vater ist und bleibt. Jeder von uns ist ein Kind Gottes. Und mein Nächster auch – mein Nachbar, der FlĂĽchtling, der Kollege…

Kindsein bedeutet aber auch, klein, gering zu sein. Jesus sagt es den JĂĽngern, als sie wissen wollen, wer denn von ihnen der Größte sei: „Wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groĂź. Jesus stellt die Ordnungen dieser Welt auf den Kopf. GroĂź sein wollen, wenn nicht im Himmel so doch auf Erden, ist ein Grundanliegen von uns Menschen. Wir wollen etwas leisten, Erfolg haben, etwas gelten. Dieser Wille wird von Jesus gar nicht verurteilt. Doch wer groĂź sein will, wer der Erste sein will, der darf das nicht zu Lasten und auf Kosten anderer sein, sondern zu deren Diensten, der soll seinen Verantwortung als GroĂźer, als Erster so ausĂĽben, dass er sich freiwillig zum Diener macht. „Ihr wisst, die Herrscher halten ihre Völker nieder und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an, aber so soll es unter euch nicht sein. (Mk 10,42f)

„Wie die Kinder werden, sich freiwillig klein machen, demĂĽtig sein, zum Dienen bereit sein um des anderen willen – das ist eine Abkehr von den „normalen Werten.Was Jesus fordert, ist eine totale Abkehr und Umkehr zu einem Leben, wie es Gott nicht nur fordert, sondern wie Jesus es uns vorgelebt hat. Nicht nach Macht und Einfluss streben, sondern  auf der Seite der Kleinen und Geringen zu stehen.

Diese Grundordnung für die Jünger, für die Gemeinde Jesu, für seine Kirche, ist in der Tat eine radikale Abkehr von unserem „natürlichem Streben nach Macht und Größe. Ist das noch Selbstverleugnung – oder schon Selbstzerstörung? Oder schenkt uns eine Umkehr dorthin das Leben? Jesus preist solche Menschen selig.

Er sagt ihnen das Reich Gottes zu. In dieser neuen Ordnung, die Jesus aufstellt, leuchtet schon etwas von Gottes Reich auf. Von einem Leben, das lebenswert ist. Von einer Welt, die sich nicht mehr selber zerstört. Denn erleben wir nicht, wie anderherum Ausbeutung und Egoismus unsere Lebensressourcen zerstören? Wie Machtstreben und Herrschaftsdenken zu Kriegen führt und endloses Elend nach sich zieht?

Wo mit Jesu Worten ernst gemacht wird- machen wir damit ernst? – wird etwas von Gottes Reich in unserem Alltag spürbar werden, das bereits mit Jesus angebrochen ist.

 

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Gottes Geist will was bewegen?!

Wir haben im Mai wieder Pfingsten gefeiert. In der Apostelgeschichte, im 2. Kapitel können wir das nachlesen, was Gott uns versprochen hat: ´´Ich will meinen Geist ĂĽber alles Fleisch ausgieĂźen´´ Der Heilige Geist Gottes bringt Menschen in Bewegung. Der Heilige Geist verändert das Leben von Menschen. Ohne den Heiligen Geist wäre die Kirche vielleicht noch eine ´´moralisch-sozial ausgerichtete Institution´´, aber nur mit dem Geist Gottes schafft Kirche und Gemeinde das, was Jesus uns aufgetragen hat – die Welt und die Menschen zu lieben. Ăśberall, wo diese Liebe erfahrbar wird, da ist sicher auch Gottes Geist, da ist Gott selbst anwesend. Gott ist kein ´´unbewegter Beweger´´, sondern Gott - als der dreieinige Gott, der sich uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart - lebt Beziehung mit sich und uns. Eine Beziehung, in der geredet, gehört und geantwortet wird.  Gute, gesunde Beziehung – das ist das Wesen Gottes, das Wesen der Liebe. Gott will uns in seine Liebesgemeinschaft einbeziehen. Er hat ernsthaft Interesse an uns und lässt sich sogar von unserer Not bewegen. FĂĽr diese Mission hat Jesus Menschen gesucht und gewonnen. Gott nimmt uns mit in seine eigens gestellte Mission: ´´Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.´´ Das sagte Jesus zu seinen JĂĽngern, als er ihnen den Heiligen Geist verlieh. (Joh. 20,21) Wie sah diese Sendung aus? Die Liebe bewegte Gott, in Jesus selbst als Mensch zu uns zu kommen. (Joh. 1,14; Phil. 2,6-8). Als Jesus die Not der Menschen sah, war er innerlich bewegt von Mitleid (Matth. 9,36).  Weihnachten. Karfreitag, Ostern. Pfingsten.

Diese Bewegung hat Jesus in die Tiefen unserer Existenz geführt, in die Niedrigkeit, Armut, Verlassenheit und schließlich bis zum Tod am Kreuz. Als Leute Jesu nehmen wir an dieser Bewegung Gottes zur Welt und zu den Menschen teil. ´´Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder´´ (Röm. 8,14), und ´´die Liebe Christi drängt uns´´ (2. Kor. 5,14). Wer von Gottes Liebe bewegt ist, wie er sie in Jesus gezeigt hat, der kann nicht anders, als sich an die Jesus-Art zu halten.

Auch eine Kluft zwischen Soll- und Ist-Zustand unseres eigenen (Glaubens-)Lebens und auch in Kirche und Gemeinde kann uns bewegen, zu Gott umzukehren, zu den Menschen aufzubrechen. Die Kluft kann aber auch frustrieren und blockieren. Und dann brauchen wir eine Erfahrung mit dem Heiligen Geist, damit wir wieder Hoffnung haben. Hoffnung auf Veränderungen, wie wir sie nicht tun können – aber Gott kann sie tun. Kein Problem ist fĂĽr Gott zu groĂź. Gott ist immer noch größer. Nicht wir bauen die Kirche – sondern die Kirche ist Gottes Werk. Und wir sind eingeladen, beim Bauen mit dabei zu sein. Veränderung zu erleben und bei anderen zu sehen. Diese  positive Zukunftsperspektive gibt uns Energie, lässt uns auch dort aufleben, wo die Kräfte  klein, die Ressourcen knapp, nur wenige Mitarbeiter und kaum sichtbarer Erfolg vorhanden sind.

Ein erstrebenswertes Ziel setzt die Motivation frei, sich schon in der Gegenwart für Veränderung einzusetzen. Das Reich Gottes ist die Verwirklichung von Gottes gutem und heilvollem Willen für uns. Gott selbst erneuert seine Schöpfung und fängt bereits bei uns an. Das setzt bei mir Hoffnungskräfte frei. Gerade für eine Zeit, in der wir es als Gemeinde und Kirche nicht leicht haben. Es ist DIE Verheißung für dieses und das zukünftige Leben. Warum sollte ich mich also bewegen – oder von Gottes Geist bewegen lassen? Weil wir einen bewegten und bewegenden Gott haben. Durch seinen Geist und seine Liebe können und sollen wir uns immer wieder in der Jesus-Art hin zum Nächsten bewegen lassen. In der Familie, in der Gemeinde, im Beruf, in der Schule, wo wir auch sind. Das Vertrauen auf die Wirkung von Gottes Geist in mir hat mir oft geholfen, Hürden zu überwinden. Dabei ist mir der folgende Vers immer wieder zu einer Quelle der Kraft und Bereitschaft geworden:

´´Denn Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der  Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.´´ (2.Tim.1,7)

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Fasten und Ostern?!

Im Februar hat sie wieder mit Aschermittwoch begonnen - die vorösterliche Fastenzeit. Das Motto der evangelischen Kirchen lautet diesmal: „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen. Das passt gut zu dem, was uns Jesus lehrt: „Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr einander liebt. (Joh. 13,35)

Liebe ist eine verwandelnde Kraft. Ja, Liebe ist DIE verwandelnde Kraft. Die einzige Kraft, die die Herzen von Menschen umdrehen, erweichen, stärken, aufbauen, verändern kann. GOTTES Kraft eben. Doch können wir einander so lieben – ohne uns runterzumachen? Unser Lieben-Können ist sicher unvollkommen. Aber Jesus sagt es zu seinen Jüngern und sagt es uns: Nicht an einem moralisch-einwandfreien Leben, nicht an der frommen Fassade, nicht an einem erlöst-heiligen Lächeln wird man Euch als meine Freunde, Freundinnen, Nachfolger und Nachfolgerinnen erkennen – sondern an Eurer Liebe zueinandern, untereinander, an Eurer Selbst-Liebe, Nächsten-Liebe und Gottes-Liebe.

Doch damit wie lieben können, brauchen wir selbst es zuerst, dass wir geliebt werden. Von Gott geliebt werden. Denn wenn ich mich selbst nicht lieben kann – wie will ich andere lieben? Gott liebt uns immer zuerst. Jesus sucht genau die, die sich selbst noch nicht angenommen haben, die unbarmherzig mit sich und anderen sind. Die Liebe ĂĽberdeckt mit ihrem Mantel das, was nackt und bloĂź dasteht: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. (Johannes 16,20) Und genau das ist ein Teil der Liebe Gottes: Dass die Liebe tröstet! Dass Menschen uns trösten und wir andere trösten. Mit einem Wort, einer Umarmung, mit Verständnis fĂĽr die Situation. Wo das geschieht, da ist die Liebe schon angekommen. „Der Herr ist auferstanden! – Er ist tatsächlich auferstanden! ist dabei das Trostwort aller Trostworte, welches wir uns an Ostern im Gottesdienst wieder gegenseitig zurufen.  Tod, Krankheit, Zerfall haben nicht das letzte Wort. Das Leben und die Liebe gewinnen. Jesus hat die Schuld aller Menschen am Kreuz bezahlt und den Tod besiegt. Mit ihm dĂĽrfen auch wir darum auferstehen und in Gottes Herrlichkeit ewig leben. Bis dahin brauchen wir weiterhin viel Liebe und viel Trost. Gut, dass an Landesgrenzen, sprachlichen Barrieren und einzelnen Schicksalen Gottes Liebe  nicht halt macht! „Hier ist nicht Grieche, noch Jude, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau – denn ihr seid allesamt in Christus Jesus. (Gal. 3,28)  In einer Zeit der FlĂĽchtlingsströme, Kriege und Unruhen erinnert uns die Jahreslosung an die Liebe, die wir einander geben sollen: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat - zu Gottes Lob. (Römer 15,7)

Menschen werden Gott dafür loben, dass sie durch andere von Gottes Liebe erreicht wurden. Gott wird uns loben, dass wir einander lieben und geliebt haben. Und das - nur das - wird Menschen zeigen, dass wir ernst mit Jesus machen, dass wir nach seiner Liebe suchen, uns davon immer wieder füllen lassen – damit wir uns selbst, die anderen und Gott lieben können. Vielleicht nutzen wir die schon angelaufene Fastenzeit als Möglichkeit, uns Gott und seiner Liebe wieder ganz neu zuzuwenden: Indem wir 7 Wochen lang auf fiese, lästerliche und gemeine Worte verzichten wollen. Und stattdessen lieber liebend schweigen. Oder noch besser: Ehrliche Worte des Lobes, der Ermutigung, der Hilfe, der Liebe für einander suchen und finden. Denn das sollte immer wieder und letztendlich die Absicht jeder Andacht, Predigt und Rede von Christen sein.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Gegensätze an Weihnachten?!

Weihnachten ist ein Fest der Gegensätze.

Vor ein paar Jahren ist mir das besonders aufgefallen: Da bin ich nach dem Weihnachtsgottesdienst noch von einigen jungen Leuten in eine Kneipe eingeladen worden. Und so saß ich zum ersten Mal in meinem Leben an Heiligabend in einer Kneipe in der City – und die Stadt und die Bars waren brechend voll. Und an unserem Tisch saßen noch viele andere und wir kamen ins Gespräch. Ich fragte, warum denn alle hier in dieser Kneipe wären und nicht zuhause bei Familien oder Freunden.

Und die Antworten wiederholten sich: „Mein Vater trinkt immer viel an Weihnachten. Und besoffen ist der nicht auszuhalten. „Bei uns zuhaus feiern wir kein Weihnachten. Und alle meine Freunde sind hier. Zuhaus wäre ich allein.

Dann fragte mich jemand nach meinem Beruf – und dann waren wir auf einmal mitten im Gespräch über Gott, Glaube, Kirche und Weihnachten.

Als ich dann gehen musste, meinte jemand: „Das hätte ich nicht gedacht, dass ich an Weihnachten noch mit einem Pastor rede – in einer Kneipe. Weihnachten – das Fest der  Gegensätze.

Das geht schon mit der Weihnachtsgeschichte los, die bald wieder in vielen Gottesdiensten zu hören sein wird.

In der Heiligen Nacht treffen aufeinander: Die reichen Weisen aus dem Morgenland und die armen Hirten vom Feld. Und der krasseste Gegensatz: Gott wird ein Mensch und als Kind in einem Stall geboren.

Auf der einen Seite der Gesang der Engel vom Frieden auf Erden – auf der anderen die Meldungen über das Weinen und Schreien von Menschen in Angst und Todesnot.

Da stellt sich die Frage: Ertragen wir die Gegensätze oder versuchen wir, das, was nicht zusammenpasst an Weihnachten unter den Teppich zu kehren? Aber ein fauler Friede ist nicht der Sinn von Weihnachten. Das Weihnachtsfest bietet etwas anderes an: An Weihnachten können wir die Gegensätze in unserem Leben und auf diesem Planeten in einem neuen Licht sehen, weil Gott sich für uns entschieden hat.

Gott lässt uns nicht alleine  mit unseren Baustellen, mit unseren WidersprĂĽchlichkeiten, mit den offenen und heimlichen Schwächen und Sorgen. Gott will und wird sich um das kĂĽmmern, was wir an Weihnachten lieber ausblenden und verdrängen wollen. Unsere Zweifel, unsere Ă„ngste, unsere SĂĽnden halten Gott nicht ab, uns doch zu lieben und zu uns zu kommen. Unsere Gegensätze sind der Grund fĂĽr Weihnachten.  Darum lautet ein Text aus der Bibel, der an ebenfalls ein Weihnachten oft gelesen wird, so: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und er heiĂźt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, FriedefĂĽrst. (Jesaja 9,5)

An Weinachten erinnern wir uns, dass wir durch Jesus Christus den besten Grund zur Hoffnung haben. An Weihnachten  beseitigen wir nicht die Probleme, Nöte und Krisen  auf diesem Planeten. An Weihnachten feiern wir, dass Gott uns damit nicht alleine lässt. Dieser Trost ist nicht von dieser Welt, aber fĂĽr diese Welt.

Ein gesegnetes Weihachtsfest und frohmachende Feiertage wĂĽnscht Ihnen

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Anderen von Glauben erzählen?!

Wer einen schönen Urlaub hatte, zeigt anderen Fotos davon. Wer verliebt ist, der schwärmt anderen von seinem „Schatz vor. Und in welchem Restaurant es das beste Schnitzel gibt, spricht sich auch schnell herum. Ähnlich ging es zwei Jüngern Jesu - Petrus und Johannes: Sie haben erlebt, wie sich ihr Leben durch Jesus, seine Worte, sein Verhalten, seine Auferstehung veränderte. Sie erlebten, wie andere frei wurden von Ängsten, Bindungen, Schuld und Sorgen. Wie Menschen sich neu nach Gottes Kraft und Liebe ausrichteten und das loslassen konnten, was ihr Leben kaputt machte.

Als die beiden öffentlich die Auferstehung Jesu verkünden und einen Gelähmten heilen, werden sie vor den Jüdischen Rat zitiert. Diese „gotteslästerlichen Lehren sollten sie lieber unterlassen. Und von wem haben sie eigentlich den Auftrag und die Kraft, den Mann zu heilen? Das ginge doch nicht mit rechten Dingen zu! Petrus widerspricht dem Redeverbot: „Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. (Apg. 4,20)Es ist der gleiche Petrus, der seinen Freund Jesus vorher am Tag des Prozesses gleich dreimal verrät, als ihn eine Magd als einen der Jünger erkennt. Auch Petrus musste noch so einiges über sich und den wirklichen Grund seines Glaubens lernen. Nur darum kann er jetzt mit Johannes gemeinsam den Auferstandenen verkünden.

Ganz sicher ist unser Glaube etwas Intimes und gehört nicht in der Ă–ffentlichkeit zerredet und breit getreten. Aber sprachlos sollen wir als Christen nicht sein, angesichts von Ă„ngsten und Sorgen, Gewalt oder Tod. Vielleicht spĂĽren wir eine gewisse Unbeholfenheit, wie wir das, woran wir glauben, was uns Hoffnung und Kraft zum Leben gibt, anderen weitergeben können?  Mit frommen Lippenbekenntnissen, dogmatischen Richtigkeiten oder Glaubenssätzen, formuliert in einer blumigen „Sprache Kanaans, kommen wir hier vermutlich nicht weiter. Aber wir können von den vieldiskutierten Talkshows aus dem Fernsehen lernen: Wo Menschen von sich selbst und von ihren Krisen und BrĂĽchen in ihrem Leben erzählen - und wie sie damit fertig geworden sind, da sind andere hellwach und interessiert. Wenn wir als Christen von dem reden was wir gesehen, gehört und mit Gott erlebt haben, dann sind mehr die leisen Töne die angemessene Tonart. Weil ein allzu dick aufgetragenes Glaubenszeugnis eher den Eindruck erweckt, erhaben ĂĽber jeden Zweifel und jede Unsicherheit zu sein. Ob uns das als Christen gefällt oder nicht: Wenn der christliche Glaube von den Menschen um uns herum als relevant fĂĽr ihr eigenes Leben eingeschätzt werden soll, dann spielt unser GlaubwĂĽrdigkeit und Authentizität eine entscheidende Rolle. Ein Blick auf die Kirchengeschichte und in die biblischen Berichte zeigt: Es ist vor allem das Zeugnis der „ungelehrten und einfachen Leute (Apg.4,13) gewesen, durch das der Glaube sich ausgebreitet hat. Christen sind immer Menschen gewesen, die sich ein Herz gefasst haben und es nicht lassen konnten, von ihrem Glauben und der erlebten Hilfe zu sprechen. Egal ob im BĂĽro, im Hauskreis, in der Jugendgruppe, im Sportverein... An Pfingsten gab Jesus seinen JĂĽngern den Heiligen Geist – und dadurch konnten sie  jedem Menschen die Liebe Gottes so erklären, dass es jeder verstand. Das gilt genauso fĂĽr uns. Verlassen wir uns auf die Kraft Gottes, dass wir die richtigen Worte finden. Das ist nicht nur die Aufgabe begabter (Kanzel-)Redner… Jesus sagte einmal anderer Stelle: „Wem das Herz voll ist, dem flieĂźt der Mund ĂĽber.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 

Was ich zurĂĽcklasse...

„Alle Jahre wieder..., so könnte man die Festtage am Jahresende ĂĽberschreiben. Weil wir schon viele Jahreswechsel und Weihnachtsfeiern erlebt haben, könnten wir uns fragen: „Was ist schon besonders an dieser  Adventszeit, an diesem Weihnachtsfest oder was war ĂĽberhaupt besonders an diesem Jahr 2013?

Kinder sind da oft noch begeisterungsfähiger und erwartungsfroher: Sie schreiben in der Adventszeit einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann oder ans Christkind und warten anschließend einfach auf die Erfüllung ihrer Wünsche – meist mit Erfolg. Erwachsene haben mehr zu tun: Wir bestellen schon Wochen vor Heiligabend die Gans beim Fleischer und besorgen die Geschenke. Wir schreiben unzählige Karten und absolvieren eine Weihnachtsfeier nach der anderen. Im besten Fall wird auch noch das Haus geputzt, geschmückt, umgeräumt. Und kurz vor dem Fest häufen sich die Nervenzusammenbrüche: Bekomme ich alles rechtzeitig fertig? Habe ich auch nichts vergessen?

Doch: Wir vergessen UNS bei dem alljährlichen Trubel rund um Weihnachten – immer und immer wieder. Wir vergessen unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte. Wir vergessen, den Wunschzettel für unsere Seele zu schreiben, obwohl der Advent genau dafür da sein soll. Und wenn dann endlich der Braten auf dem Tisch steht und die Gabentische voll sind, bleibt die Seele doch oft hungrig und leer. Und die Frage nach den Festtagen lautet oft: „Wie? Ist Weihnachten denn schon wieder vorbei?

Wie immer wir die Tage in diesem Monat bis zum Jahresende gestalten wollen: Wir sollten uns auch Zeit fĂĽr einen RĂĽckblick und eine „Inventur nehmen. Nicht nur, um uns an Erfolge und Misserfolge, an erfĂĽllte und unerfĂĽllte WĂĽnsche zu erinnern - sondern auch um zu schauen, wo wir Gott im vergangenen Jahr entdeckt haben. Und auch, wobei er uns gefehlt hat und wir uns seine Nähe wĂĽnscht haben. Dann mĂĽssen die alljährlichen Festtage und bekannten Lieder keine mĂĽde Wiederholung sein, sondern ein Ausdruck der eigenen Erfahrung,  des eigenen Hoffens und Glaubens. Dann ist Weihnachten nicht (wieder) nur ein Fest der Geschenke und der Anspannungen, sondern vor allem ein Fest der Hoffung und des Trostes: Dass Gott Mensch wird und zu uns kommt, damit wir nicht ohne ihn sind. Nicht nur jährlich, sondern täglich!

In diesem Sinne wĂĽnsche ich uns eine gesegnete Adventszeit und ein erfreuendes Weihnachtsfest!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Was ich mitnehme...

Urlaubszeit: Die einen packen sich die Tage voll mit Feiern und Erlebnis-Touren. Bloß raus, bloß weg - und: leben – endlich wieder leben.Die anderen verstehen unter Urlaub eher das Gegenteil:Wirklich absolut nichts tun, vielleicht noch ein Buch lesen. Und zwischen den Nickerchen ein bisschen schlafen.

Ganz andere nehmen sich Urlaub, um Dinge anzugehen, die schon lange geplant waren: Das Haus renovieren, den Garten pflegen oder in die neue Wohnung umziehen.

Auf meine Frage hin, wie denn der Urlaub war, grinsen einige und meinen oft: Zu kurz! Manchmal kann der Urlaub durch die vielen Inhalte und Vorbereitungen eher stressig werden: Dann seufzen einige, sie bräuchten erst mal Urlaub vom Urlaub. Die Erwartungen an die Urlaubszeit sind ähnlich hoch wie an Weihnachten: Ganz besonders toll muss der Urlaub werden, die schönste Zeit des Jahres soll er sein.

Aber das geht nicht immer so einfach! Denn wo auch immer wir hinfahren: Wir nehmen nicht nur unsere Koffer mit, sondern auch das, was wir sonst an Gepäck in uns mitschleppen. Ganz sicher täte es uns gut, wir wĂĽrden den Urlaub nicht mit Erwartungen ĂĽberfrachten, sondern die Zeit bewusst leben: Was ist wirklich in meinem Urlaub möglich? Wozu brauche ich diese freie Zeit?   Die Urlaubszeit bietet uns die Möglichkeit, das zu beachten, was in uns hochsteigt und an die Oberfläche will: Träume, SehnsĂĽchte, ungelöste Fragen.

Nur wer sich seinen Gedanken stellt, kann erlöst werden von Bindungen an die Vergangenheit und wieder mutig in die Zukunft schauen. Es gibt auch ein Leben VOR und NACH dem Urlaub. Und das ist mindestens so wichtig und wertvoll wie drei Wochen Mallorca. Vielleicht geht es in diesem Jahr nicht um den Mega-Erlebnis-Urlaub, sondern um die Zeit, die ich mir nehme für mich und mein Leben überhaupt. Gott will uns dabei helfen. Vielleicht ganz besonders in diesem Urlaub. Darum: Eine Bibel hat auch im kleinsten Koffer Platz. Und wir entscheiden, womit wir die freien Minuten füllen. Ein Gespräch mit Gott muss ja nicht stundenlang dauern. Zeit hätten wir jetzt jedenfalls dafür, wenn wir das wollen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und mir einen erfüllten und erholsamen Urlaub!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Ich hab G-Netz!

Mit dem Handy kann man heute ja fast alles machen: Fotografieren, spielen, Musik hören, Emails abrufen - und sogar telefonieren. Ich wundere mich nicht mehr, dass ich ĂĽberall  auf Menschen mit Handys treffe. Wir haben uns anscheinend alle sehr viel mitzuteilen. Heute ist der andere ja dank eingespeicherter Kurzwahlnummer nur einen Tastendruck weit entfernt. Selbst in der Bibel gibt es eine Kurzwahlnummer fĂĽr Gott: 5015! Denn im Psalm 50, Vers 15 steht: "Rufe mich an in der Not, dann will ich dich retten!" 

Für ein Gespräch mit Gott brauche ich aber keine besondere Nummer oder einen besonderen Anbieter. Wie beim Telefonieren brauche ich fürs Beten aber ein bißchen Zeit und Ruhe. Und meine Hände. Nicht zum Händefalten, sondern als Erinnerung:

Da ist zuerst der Daumen. Der steht fĂĽr das, was ich gut finde. WorĂĽber ich mich gefreut habe. Wo Gott mir geholfen hat.

Der Zeigefinger erinnert mich an das, was mir ĂĽber Gott und das Leben klar geworden ist, z.B. durch ein Wort in der Bibel.

Der Mittelfinger steht fĂĽr das, was mir zur Zeit stinkt. Wo ich mit mir und anderen unzufrieden bin. Wo ich mich schuldig fĂĽhle.

Der Ringfinger steht fĂĽr meine Beziehungen - wie es mir mit Freunden, Familie, Kollegen gerade geht.

Der kleine Finger erinnert mich an das, was bei mir in letzter Zeit zu kurz gekommen ist.

All das sage ich Gott.

Und wenn mir mal die Worte fehlen, dann leihe ich mir für mein Gespräch Worte aus der Bibel, z.B. aus dem Buch der Pslamen. Es tut mir gut zu lesen, dass andere ähnliches im Leben erlebt, es Gott gesagt und ihm vertraut haben.

Aber auch das Gebet, das Jesus seine Freunde gelehrt hat - das Vater Unser -  ist fĂĽr mich immer wieder eine gute Gesprächshilfe. Wer dieses Gebet nicht so gut kennt:  Es steht auch in der Bibel, im Matthäusevangelium, Kapitel 6. Warum ich täglich bete? Martin Luther sagte einmal: „Je öfter Du bittest, desto lieber hört er Dich!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Ein Nagel sein?!

Vor einigen Jahren berichtete eine Tageszeitung folgendes:

In Chongqing (China) endete nach ĂĽber drei Jahren der Kampf eines Ehepaars um ihr Eigenheim. Dieser Vorfall war eine Störung der damaligen gesellschaftlichen Normalität, die jedem auffallen musste. Denn normalerweise werden im groĂźen Immobiliengeschäft Menschen  „ruckzuck ihrer Wohnungen enteignet, umgesiedelt – und das war´s.

Das sahen Frau Wu und Herr Wang aber anders - sie leisteten Widerstand und beriefen sich auf die „Unantastbarkeit von rechtmäßigem Eigentum. Ihr so genanntes „Nagelhaus stand bis zu seinem Abriss einsam auf einem 17 Meter hohen Lehmkegel, der sich aus der Mitte einer riesigen Baugrube wie ein „Nagel erhob. Mit „Nagel werden in China aber auch Quertreiber und Störenfriede benannt. Weder die zuerst angebotene finanzielle Entschädigung noch die angeheuerten Schläger konnten das Paar zum Aufgeben ihres Hauses bringen.

Die Zeitung berichtete weiter, dass 85% aller Befragten das Ehepaar in ihrer Haltung gegen die Bauunternehmer und die rechtlichen Beschlüsse unterstützten. So wurde das „Nagelhaus zu einem Symbol des Widerstandes und des Bekennens der eigenen Werte.

Das Ehepaar gab dann aber doch letztendlich den Kampf auf.

Dieser Bericht beeindruckt und ermutigt mich: Menschen lassen sich nicht einfach von ihrer Heimat wegjagen oder umsiedeln. Gewaltfrei und beständig stand das Ehepaar für das ein, was ihnen existentiell so wichtig war.

Zu einem ausdrucksstarken Bekenntnis unseres Glaubens ermutigt uns auch der aktuelle Monatsspruch: „Wie ihr nun den Herrn Jesus Christus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid. Und seid reichlich dankbar. (Kolosser 2,6.7)

Wem der Glaube und das Leben mit Jesus Christus lebenswichtig geworden ist, dem kann diese Heimat nicht so schnell genommen werden.

Aber Achtung: Es ist nicht einfach, zur eigenen Meinung und zum eigenen Glauben zu stehen. Denn in diesem Moment machen wir uns auch angreifbar und verletzbar.

Christen werden wegen ihrem Glauben auch belächelt oder sogar verfolgt. Und oft  denken Christen auch, sie hätten genug eigenen Dreck vor der TĂĽr – wie könnten sie da von Glaube und Nachfolge reden?

Wir widerstehen Zweifel, Ă„ngsten, Ablehnungen und Gegenwind aber nur dann, wenn uns unsere Identität und Geborgenheit in Christus so wichtig geworden ist, dass wir uns das von niemandem nehmen lassen wollen. Vielleicht sind wir dann auch wie ein störender Nagel, der sich nicht einfach ins Holz klopfen lässt. Aber unser „Nagel ist Jesus Christus, Herr aller Herren, der Sohn Gottes. Ich bitte Gott täglich um einen starken Glauben, der Anfechtungen standhält, den ich  fröhlich leben – und von dem ich anderen dankbar erzählen kann. Damit sie auch Kraft zum Widerstand gegen Gewalt, Unrecht, Druck und Angst haben.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Die Hoffnung stirbt zuletzt?!

„Die Hoffnung stirbt zuletzt! Das hört sich stark an! Da hat jemand bis zum Ende gehofft – und das hat ihm die Angst genommen und ihn getröstet. Leben ist ohne Hoffnung langfristig nicht möglich! Denn wer keine Hoffnung mehr hat, hat auch keine Zukunft mehr. Wer mit dem Leben abgeschlossen hat, erwartet nur noch den Tod. Hoffnung auf Besseres, auf Gutes aber gibt Mut zum Handeln und Kraft zum Durchhalten! Aber was ist, wenn Wünsche nicht erfüllt werden, wenn keine Gesundung eintritt, wenn Menschen und Beziehungen sich nicht ändern? Wenn die Situation die gleiche bleibt?

Spätestens dann sehen wir, worauf wir unsere Erwartungen gegrĂĽndet haben. So schmerzhaft eine enttäuschte Hoffnung ist, eines ist gut daran: Wir wissen nun, was uns nicht hilft.  Darum schreibt der Pastor und GemeindegrĂĽnder Paulus schon damals diese Worte an die Gemeinde in Korinth: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1.Kor.13,13)Woher nimmt Paulus diese Ăśberzeugung? Er hat die Kraft und Liebe Gottes durch Jesus Christus verstanden und erlebt.

Durch Jesus Chaben wir allen Grund zur Hoffnung auf Gutes  – wie immer Gottes Hilfe in nächster Zeit auch aussehen mag! Denn wo Gott ist, da ist Leben – auch fĂĽr uns! Wir haben eine Zukunft, weil Gott unsere Zukunft ist. „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden, denn ihm leben sie alle. (Lukas 20,38) Der Tod ist nicht mehr unser Ende! Das feiern wir an Ostern mit gutem Essen und groĂźer Freude! Wir feiern das Leben, dass Gott uns ganz neu geben wird – weil Jesus es uns am Kreuz ermöglicht hat! Wenn das stimmt, dann ist die größte Krise unseres Lebens bereits jetzt schon geklärt. Diese Hoffnung ist nicht von dieser Welt – aber fĂĽr diese Welt.  Und kann darum auch nicht mehr sterben!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

So Gott will und wir leben...

An Silvester werde ich mir auch dieses Mal wieder Zeit nehmen, um auf  das vergangene Jahr zurĂĽckzuschauen.

Dabei werden mir die glĂĽcklichen Momente einfallen. Aber auch an die schweren Zeiten will ich mich erinnern.

Die Gefahr bei einem Rückblick ist aber, dass ich entweder bei den guten oder bei den schlechten Erinnerungen stecken bleibe. Weil ich mich entweder von den glücklichen Momenten nicht trennen will - oder von den schlechten Erinnerungen nicht trennen kann. In der Bibel gibt es dazu eine Erzählung (1.Mose 19,1-26):

Da wird berichtet, wie Gott mit der Stadt Sodom abrechnet. Zu viele Dinge sind hier schief gelaufen, Menschen haben schlimme Dinge getan. Nur zwei Leute sollen gerettet werden: Lot und seine Frau. Zwei Engel begleiten das Paar aus der Stadt. Da schaut Lots Frau noch einmal zurĂĽck auf die Stadt – und sie erstarrt zu der buchstäblichen Salzsäule. 

Auch wir brauchen jemanden, der uns aus der Gefahrenzone herausbringt. Damit wir nicht in der Vergangenheit stecken bleiben. Der Theologe Paulus schreibt im Vertrauen auf die Hilfe Gottes: „Ich vergesse, was dahinten ist und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. (Phil 3,13) Wir wissen nicht, was die kommenden Tage bringen werden. Aber Gott hat unsere Zukunft schon im Blick:  Er kommt an Weihnachten um uns von aller Vergangenheit und Vergänglichkeit zu befreien. In vielen Gottesdiensten wird darum zum Jahresende ein bekanntes Lied von Dietrich Bonhoeffer gesungen werden: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Gott will uns helfen, dass wir nach vorne schauen und das Alte hinter uns lassen. Besser noch: dass wir uns ihm ĂĽberlassen. Denn wo Gott ist, da ist  Leben – auch fĂĽr uns. In diesem Vertrauen mĂĽsste alle Angst vor der Zukunft ĂĽberwunden sein.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Friede sei mit Dir!

Weihnachten steht bald wieder vor der Tür – das „Fest der Liebe. Aber kein anderes Fest im Jahr beschert Menschen so viel Stress und Streitereien. Viele sind mit den Ansprüchen in der Adventszeit und an Weihnachten überfordert: Möglichst friedlich und liebevoll soll es wenigstens einmal im Jahr zugehen. Aber dann nerven die Kinder und die Verwandten kann man sich nicht aussuchen. Die alltäglichen Rückzugs-möglichkeiten und Ab-lenkungen fehlen. Andere halten die Einsamkeit an den Festtagen schwer aus, weil sie mit ihren Gedanken und Gefühlen alleine sind. Stress und Enttäuschungen verhindern bei den anderen wiederum den Frieden, nach dem sich eigentlich sehnen.

Dabei ist die Sehnsucht nach Frieden am richtigen Platz! Denn an Weihnachten kommt Gott in Jesus Christus mit Frieden in eine friedlose Welt. Gott geht genau zu denen, die wütend, traurig, enttäuscht, ängstlich, einsam sind.

Wenn es jemanden gibt, der uns versteht – dann ist es Gott.

Aber wer echten Frieden will, kommt nicht um das herum, was Jesus Christus auch über den Frieden sagt: „Ich sage euch: Liebt eure Feinde. Tut Gutes denen, die euch hassen. Bittet für die, die euch beleidigen. Was tut ihr Besonderes, wenn ihr nur die liebt, die euch lieben? Das tun alle anderen auch. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6, 27ff) Der Friede Gottes beginnt dort, wo wir selbst wieder Frieden mit uns und den anderen schließen. Zum Beipsiel: Hören wir - nur für heute (und wenn wir´s schaffen auch vielleicht an Weihnachten) - einmal auf, gegen das zu kämpfen, was uns nervt. Und sagen JA zu dem, wie unser Leben gerade ist. Nehmen wir unsere Kinder und Verwandten einmal so an, wie sie heute sind. Sie sind gerade nicht anders. Und wir haben gerade auch keine anderen. Das gleiche gilt für unsere Partner und Freunde: Wir haben sie uns doch ausgesucht. Nehmen wir auch die berufliche Situation einmal so an, wie sie gerade ist. Nehmen wir auch uns heute an – mit dem, wo wir unzufrieden mit uns sind, mit dem, wo wir gerne anders wären. Und sagen JA zu uns. Denn Gott tut es doch auch. An Weihnachten - und darüber hinaus. Ich glaube, in dieser Haltung kann uns der Friede Gottes besser erreichen. „Fürchtet euch nicht!, waren die ersten Worte des Engels zu den Hirten, als diese nachts auf dem Feld arbeiteten. „Denn euch ist heute der Heiland geboren.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Nicht rausreden!

Den Termin vergessen - und jetzt stand ich auch noch im Stau.

„Den könnte ich als Grund für meine Verspätung vorschieben. Ganz wohl fühlte ich mich bei dieser gedachten Ausrede aber nicht.

Als ich ankam, wagte ich es -  und entschuldige mich fĂĽr meine Vergesslichkeit.

Mein Freund erklärte mir aber groĂźzĂĽgig, das könne schlieĂźlich jedem einmal passieren. Ich atmete erleichtert auf -  und war froh, dass ich die Wahrheit gesagt hazze, anstatt mich rauszureden.

Schon die Bibel berichtet, wie Adam und Eva sich mit ihrem Ungehorsam rausreden wollten. Aber  Gott wusste, wie es gelaufen war.

Und wer schon nicht an Gott glaubt – die täglichen Nachrichten zeigen, dass die Wahrheit auch noch nach Jahren oft ans Licht kommt.

Aber wie ist das wenn ich jemanden nicht mit der Wahrheit verletzen will.

Sind dann Ausreden und NotlĂĽgen erlaubt?

Natürlich kann es auch Streit geben, wenn wir die Wahrheit sagen und Fehler und Schuld zugeben. Aber ich glaube, dass nur die Wahrheit Beziehungen gesund erhält.

Meistens merkt der andere doch, das irgendwas nicht stimmt.

Und nicht vergessen: Wer viel lügt, muss sich oft verstellen und braucht ein gutes Gedächtnis!

Dabei muss ich nicht jedem sagen, was ich von ihm denke. Manchmal ist es besser, zu schweigen oder ein Mäntelchen der Barmherzigkeit über das zu legen, was der andere vermutlich ohnehin schon über sich weiß.

Mir fällt es leichter, mich nicht rauszureden, wenn ich glaube, dass Gott sowieso alles über mich weiß – und mich immer noch liebt.

Darum darf Gott mir  die Wahrheit ĂĽber mich sagen.

Und ich bitte Gott um Kraft, aufrichtig zu sein. Und um Weisheit, damit ich dem anderen die Wahrheit nicht wie einen nassen Waschlappen um die Ohren haue.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Bitte wenden!

Ich bin mit dem Auto unterwegs - plötzlich ist die Autobahn gesperrt.

Mein Navi will mir helfen: „In 2 km links abbiegen! Ich biege lieber nach rechts ab, der Weg ist sicher besser!

Nach einigen Kilometern dann das Aus fĂĽr mich: Ich stehe wieder vor einer Baustelle, die mir den Weg versperrt. Sackgasse! Ich mit meiner Rechthaberei!

Kleinlaut schalte ich das Navi wieder an, nachdem ich ihm vorhin den Saft abgedreht habe. Nach einigen Metern meldet es sich wieder zu Wort: „Ich hab´s Dir doch gesagt1 Denkst Du, ich helfe Dir jetzt noch mal? Sieh zu, wie Du jetzt selbst nach Hause kommst!

Nein, das hat mein Navi zum Glück natürlich nicht gesagt. Stattdessen lautete die Ansage: „Die Route wird neu berechnet. Bitte bei nächster Gelegenheit wenden!

Das ist Gnade! Gott wird immer sagen: „Hier geht´s nach Hause. Du kannst hier wenden! -  Sobald Du bereit bist, Deine Verirrung zuzugeben und wieder auf mich zu hören.

Die Bibel nennt das BuĂźe - oder anders gesagt: Umkehr.

Gottes FĂĽhrung bringt mich nicht nur nach dem Tod in den Himmel. Gottes Hilfe fĂĽhrt auch aus den Sackgassen heraus.

„Sackgassen, aus denen man umkehren sollte, gibt es viele im Alltag:

Wenn Streit dafĂĽr sorgt, dass Menschen nicht mehr miteinander reden und sich aus dem Weg gehen.  Oder wenn ich gegen besseres Wissen und gute Erkenntnis mich doch anders entscheide.

Meine Entscheidungen habe mich an die Stelle gebracht, an der ich heute stehe. Wenn ich damit unglĂĽcklich bin oder feststelle, dass ich anderen dadurch geschadet haben, ist es Zeit zur Umkehr. Dann ist es Zeit umzudenken und wieder zu Gott umzukehren!

Echtes Umdenken, echte Umkehr schlieĂźt die Bereitschaft zur Korrektur ein.

Umkehr zu Gott im biblischen Sinne heißt: „Ich bin wieder bereit auf Gott zu hören!Wenn die Umkehr zu Gott mein Problem nicht ändert, kann ich ja immer noch zu dem zurückkehren, was mir auch nicht geholfen hat.

Jesus hat oft exakt auf den Bereich im Leben eines Menschen gezeigt, in dem Umkehr nötig war.

Bei dem Zöllner und Betrüger Zachäus lud er sich zum Mittagessen ein: „Ich möchte heute in Deinem Haus zu Gast sein!

Zur Ehebrecherin sagte er: „Ich verdamme Dich nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!

Zum reichen Jüngling hingegen: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, gib das Geld den Armen. Und dann komme und folge mir nach.

Für die Umkehr zu Gott ist es nie zu spät!

Das Schlimme mögen gar nicht unsere Sünden sein – sondern das unnnötig lange Abschleppen damit.

Die Bibel ist voll von Berichten über Menschen, die in Sackgassen steckenbleiben. Und mit Gottes Hilfe auch wieder auf den richtigen Weg zurückfinden! Damit auch wir durch die Gnade Gottes zur Umkehr bereit sind und uns wieder auf den richtigen Weg zurückführen lassen. Am besten… jetzt!

Aus dieser Erfahrung heraus ist dann auch der Vers in Psalm 119 entstanden:

„Gott, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Gottes Spamfilter

Morgens im BĂĽro rufe ich meine Emails ab. Bei den vielen Werbe-Emails, auch Spam- oder Junk-Mails genannt. Kann das mal wieder dauern!

Wie gut, dass ich wenigstens einen Spam-Filter installiert habe. Der leitet nämlich die wichtigen Emails in den Posteingang und löscht die mit der Werbung sofort. 

Ein Spamfilter! Nicht nur fĂĽr meine Emails, sondern auch fĂĽr mein Leben - das wär´s doch! 

Ein Filter, der mich schĂĽtzt, wenn ich Fernsehen schaue, wenn ich im Internet surfe, wenn ich Zeitschriften lese, wenn ich mit Menschen spreche.

Ein Filter, der voher sortiert: Was dient dem Leben, was macht mich kaputt? Es ist nicht immer einfach zu erkennen, was sich manchmal in mir längst ungefiltert angesetzt hat. Das können manchmal nur einzelne Sätze sein, die mein Bild vom anderen (ungerechterweise) prägen. Das können auch ungefilterte Meinungen von anderen über mich sein, die sich in mir eingebrannt haben. Einzelne Sätze, die noch lange eine schlechte Wirkung in mir haben. Das können sogar Urteile sein, die ich über mich selbst gefällt habe, mit denen ich nicht gut beraten bin.Wie gut wäre da ein Filter, der nur das Gute zu mir durchlässt und das Schlechte vorher löscht!

Und umgekehrt: Wie gut wäre ein Filter, der das Schlechte vorher aussortiert und nur das Gute von mir durchlässt, wenn ich mit Menschen rede und zusammen bin.

Mein Spam-Filter für´s Leben ist mein Glaube an Gott! Wenn ich in der Bibel lese, wie Jesus Christus mit den Menschen umgeht und was er ihnen sagt – dann leuchtet mir das nicht immer sofort ein, aber es bringt mich zum Nachdenken.Weil Gott ganz oft einen anderen Maßstab an das anlegt, was ich oft schnell für wichtig und unwichtig, für gut und schlecht halte.

Sehr oft ändert sich dann meine Meinung über mich, die anderen – und auch über Gott. Und Festlegungen und Vorurteile sind wie gelöscht.

Wie mein Spamfilter braucht aber auch mein Glaube  immer wieder ein frisches Update, damit ich auf aktuelle Situationen entsprechend reagieren kann. Mein „Update sind fĂĽr mich meine eigenen Gebetszeiten, die Vorbe-reitungen auf die Predigt, die Gottesdienste, wenn ich mit anderen Menschen ĂĽber meinen Glauben spreche oder eben auf die Worte Gottes in der Bibel höre.

Der göttliche Spamfilter in der Bibel geht so:

„Seht genau hin! PrĂĽft die Worte der Menschen! PrĂĽft alles! Und behaltet das Gute!  (nach 1.Thessalonicher 5,21)

 Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Bitte lächeln!

„Der kĂĽrzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln, lautet eine bekannte Weisheit. Wenn ich jemanden in die Augen schaue, dann ist das immer auch ein Gespräch – ein Gespräch ohne Worte. Oft sagt ein Blick mehr als 1000 Worte! Der Blick eines Menschen lässt erkennen, wie er seine Worte wirklich meint. Ein strenger Blick kann selbst das liebste Wort zunichte machen  - aber leuchtende Augen und strahlende Gesichter unterstreichen gute Worte.In so einem Wunsch drĂĽckt sich fĂĽr mich aus, wenn er ernst gemeint ist:

Auch in jedem Gottesdienst wird den Anwesenden zum Ende ein gutes Wort vom Pastor oder der Pastorin zugesagt. Der Pastor oder die Pastorin erbitten den Segen Gottes und segnen die anwesende Gemeinde.

Ein bekannter Segen am Ende eines Gottesdienstes lautet:

„Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Schon zu alttestamentlichen Zeiten wĂĽnschten sich die Menschen, dass Gott sie freundlich ansieht! Aber wo kann ich dieses freundliche Gesicht Gottes finden?

Zum Beispiel im Lächeln eines Kindes. Im ansteckenden und herzhaften Lachen eines fröhlichen Menschen..

Und da, wo mich jemand verständnisvoll ansieht, wenn ich mit meinen Taschen mitten im Weg stehe und mir beim Tragen hilft.

Dann bin ich mir sicher, dass Gott mich grad angeschaut hat.

Gott sieht Sie auch heute wieder freundlich an. Und wer weiß, wen Gott auch durch Ihre Augen heute freundlich ansehen möchte?

 â€žDer Herr segne dich und behĂĽte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten ĂĽber dir und sei dir gnädig. Und der Herr erhebe sein freundliches Angesicht ĂĽber dich und gebe dir seinen Frieden.

 Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Nicht lästern?!

Böse Worte lassen sich nicht nur schwer zurücknehmen.

Wie gut wäre es, wenn in Zeitungen, in Talkshows, auf Arbeit und auch in der Kirche weniger getratscht und gelästert werden würde.

Es ist ja ok, wenn ich meinem Ă„rger einmal im engen Kreis Luft mache  – aber  ein GerĂĽcht in die Welt setzen und  Leute zu mobben richtet groĂźen Schaden an.

Darum lautet das neunte Gebot auch: „Du sollst nichts Falsches über deinen Nächsten sagen!

Ich denke: Jeder weiß, ob er gelästert oder freundlich über jemanden gesprochen hat.

Schneller als man meint, ist bei abfälligen Bemerkungen über Aussehen, Geruch oder Verhalten angekommen.

Oft ist jemand nur neidisch, hat Angst vor dem anderen oder will sich selbst nur groĂź darstellen.  Der andere muss ihm gar nichts

Böses getan haben.

Der Monatsspruch fĂĽr Juli erinnert uns daran:

„Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen! (Markus 4,24)

Wenn ich also ĂĽber andere schlecht urteile und schlecht rede, sollte ich mich nicht wundern, wenn andere mich auch (vor-) verurteilen.

Bevor ich also meine Meinung im Internet oder Bekanntenkreis weiter verbreite, sollte ich den Inhalt meiner Rede weise „sieben:

Ersten: Habe ich ĂĽberprĂĽft, ob das, was ich weitersagen will, auch wirklich wahr ist und so stattgefunden hat?

Zweitens: Ist das, was ich weitersagen möchte, gut für andere?

Und Drittens: Ist es notwendig, dass ich das weitersage?

Denn wenn das, was ich weitersagen will weder wahr noch gut noch notwendig ist, so sollte ich mich und andere nicht damit belasten.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Wer bin ich?

Ich stand in der lange Schlange an meinen Gate im Flughafen und stapfte unruhig von einem Fuß auf den anderen. Mein Flugziel war eine wichtige Konferenz im Ausland. Zweimal wurde mein Gepäck durchleuchtet und meine Kamera auf Sprengstoff untersucht.

Ich gebe meine FingerabdrĂĽcke ab – ich hoffe, ich bekomme sie später wieder! Der Sicherheitsbeamte findet diese Bemerkung weniger witzig. Es folgen ein Bild von mir mit Digitalkamera, ein Stempel in meinem Reisepass und eine Notiz in einer Akte. Obwohl ich als „ungefährlich eingestuft bin und einreisen darf,  muss ich doch noch einmal meine Reisetasche zur Kontrolle öffnen. Ich könnte ja doch noch was Schlimmes zu verbergen haben…  Wer bin ich? Reicht es aus, von mir Gesicht, FingerabdrĂĽcke, Gepäckinhalt und Aufenthaltsort zu kennen? Ich weiĂź, ich bin mehr als das, was in meinem Personalausweis steht. Ich bin mehr als die Summe meiner Körperteile.

Ich bin mehr als mein Beruf und mehr als das, was ich tun kann. Ich bin mehr als das, was meine engsten Freunde von mir wissen – und mehr das, was ich selbst von mir weiß.

Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin: immer noch am Leben. Geheiligt in meinem unheiligen Lebenswandel. Frei gesprochen von aller Schuld. Geheilt von  manchem Schmerz, erlöst von mancher Angst und Sorge.

Darum singen wir mit den Worten eines Menschen, der das ebenso erlebte, Lieder wie:„O GlĂĽck der Gnade! Gottes Hand  und Augen suchten mich. Ich war verlorn, bis er mich fand, war blind, jetzt sehe ich. Wichtig ist, wer wir fĂĽr Gott sind. Gottes Gnade macht aus mir einen neuen Menschen.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Pfingsten: Kirche hat  Geburtstag!

Nur mal angenommen, der Herr hätte beschlossen, seinen Kindern auf eine besondere Weise dauerhaft zu dienen.

Mal angenommen, er hätte sich vorgenommen, seinen Heiligen Geist zu ihnen zu senden und in ihre Herzen zu legen, um so alles, was an Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut und Kraft in ihm ist, auch in ihr Leben hineinzulegen.

Angenommen, dieser Geist Gottes würde tatsächlich in jedem Kind Gottes wohnen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen oder moralischer Tadellosigkeit, - einfach als ein Geschenk Gottes.

Und angenommen, der Geist Gottes würde dann beginnen können, seine Wirkung im Leben eines jeden einzelnen zu entfalten.

Und weiter angenommen, es gäbe ganze Gruppen von Leuten, denen es so ginge: lauter Leute, die als Kinder Gottes (gemeinsam) leben wollen und in denen Gott wie in Christus gegenwärtig ist - in der gleichen Qualität und Kraft, der gleichen Liebe und Geduld, der gleichen Demut und Güte.

Und angenommen, diese Leute wĂĽrden sich zusammenfinden, (gemeinsam im Gebet, im gemeinsamen Lesen der Bibel, in Gottesdiensten und anderen Treffen) Gott suchen und sich von ihm in den Dienst nehmen lassen als Menschen, in denen und durch die Gott tun darf, was er tun will.

Angenommen, in den Hauskreisen dieser Christen wäre es so möglich, ganz unmittelbar zu erleben, wie Jesus unter ihnen wirkt, weil ja sein Geist in den einzelnen mit all seiner Kraft zuhause ist.

Angenommen, die äIteren dieser Geistbegabten würden in ihren Zusammenkünften die großen Taten Gottes preisen und der Geist wäre wie ein unauslöschliches Feuer in ihnen.

Und angenommen, die jĂĽngeren der Geistbegabten wĂĽrden Gott ihr Leben hingeben, damit er es heiligt und fĂĽllt.

Angenommen, diese Gruppe von Leuten würde in der Kraft dieses in ihnen wohnenden Geistes ihren Vater im Himmel bestürmen, daß er den Himmel mehr und mehr über ihnen öffnet, und weiter angenommen, Gott wäre von seinem Wesen her treu und gerecht, dass er sein Wort hält und dieses Beten seiner Kinder hören würde, dann wäre das doch wirklich eine tolle Sache, oder?

Alles wäre durchdrungen von der Gegenwart Gottes!

Es wäre so ...biblisch!

Nur mal angenommen, du würdest heute beginnen, das zu leben. Es wäre wie ein Pfingstfest mitten in deinem Herzen.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Der HERR ist auferstanden?!

Was ist eigentlich das „Evangelium, das jeden Sonntag im Gottesdienst verkündigt wird?

An Ostern (und jeden anderem Sonntag) feiern Christen, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist.An Ostern wird nicht eine „Wiedergeburt gefeiert, sondern, dass ewiges Leben durch Jesus für ALLE Menschen möglich wird. Der Tod ist nicht das Letzte für diejenigen, die der Kraft Gottes und seiner Liebe vertrauen. Warum? Weil Jesus Christus alles am Kreuz übernimmt, was uns von Gott trennt: Unseren Egosimus, die Lügen und Ausreden, die Rechthaberei, die Flucht vor Wahrheit und Verantwortung, den Raubbau an Gottes Schöpfung, die Gewalt gegen Menschen und Tiere.

FĂĽr viele klingt das ganz unnötig, albern oder einfach unglaublich. Wer aber die ZerbrĂĽche und Grenzen des Lebens bei sich und anderen   erfahren hat, der weiĂź, wie gut Vergebung, geheilte Beziehungen und der Friede mit Gott tun.

In Jesus wirkte Gott als Mensch direkt unter Menschen: Jesus, der  Menschen von Krankheiten heilte, Besessene von okkulten Kräften befreite, stadtbekannten SĂĽndern seine Freundschaft anbot. Jesus, fĂĽr den es keine hoffnungslosen Fälle gab! Jesus, der Liebhaber des Lebens, dem die Menschen wichtiger als Gesetze und Moralvorstellungen waren. Jesus, der die Menschen das Beten und das Vertrauen in Gottes GĂĽte, Gnade und Hilfe lehrte. Jesus, der Schein-Heiligen, Arbeitern, Politikern und Bankern ins Gewissen redete. Jesus, der Menschen den Sinn des Lebens zeigte und wofĂĽr Gott sie geschaffen und ausgestattet hat. Jesus, der an Menschen glaubte!

Jesus, der den Frieden predigte, groĂźzĂĽgig teilte, sich selbst nicht zu schade war, seinen JĂĽngern die FĂĽĂźen zu waschen. Jesus, der fĂĽr seine Liebe auch viel Hass und einen harten Tod erlitt.

Das Evangelium ist keine Skandal-Nachricht fĂĽr hohe Einschaltquoten, sondern die beste Botschaft fĂĽr diese Welt! Darum sollen wir  anderen von unserer eigenen Erfahrung mit dem auferstandenen Jesus Christus berichten: Wie kaputte Beziehungen durch ihn wieder in Ordnung kommen, SĂĽchte und Bindungen besiegt werden können. Dass neues Leben möglich ist, weil Gott niemanden aufgibt! Egal, was passiert ist! Dass nicht einmal der Tod uns von Gottes Liebe trennen kann! Dass Dinge in unserem Leben besser wurden, als wir Gott vertrauten, nach seinem Willen fragten und wieder auf ihn hörten.

Dabei sind Christen nicht  automatisch bessere Menschen, sondern brauchen selbst auch immer wieder den Neustart mit Gott. Aber genau davon kann ich dann anderen erzählen: Wie Gott mir in meiner Not half, wodurch meine Angst kleiner und durch was ich wieder fröhlich wurde.  Ich bin einer von denen, der das immer wieder so erlebt – und darum anderen immer wieder davon erzählt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Kraft auch so erleben. Denn der Herr ist auferstanden! Fröhliche Ostern!

Ihr Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Hamse jedient (1)?

Jemandem dienen – warum eigentlich? Wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht?! Wir leben in einer „Dienstleistungsgesellschaft – und die damit verbundenenen Erfahrungen und Gefühle („wie du mir, so ich Dir) machen es nicht gerade leicht, anderen gerne, freiwillig und fröhlich zu dienen. „Service hört sich besser an. Und den leistet man gerne – für gutes Geld. Dafür darf ich mich als Kunde auch beschweren, wenn die bezahlte Leistung hinter dem Angebot oder meinen Erwartungen zurückbleibt.

Aber wie gut tut ein kostenloses liebes Wort, eine herzliche Umarmung, ein freundlicher Blick… nicht nur uns, sondern auch denen, die aus einer Begegnung mit uns wieder etwas gelöster, ermutigter, gefasster, fröhlicher weitergehen?

 

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Hamse jedient (2)?

Er weiß es schon vorher: Egal, wo der Schuster Wilhelm Voigt sich auch bewirbt – er scheitert immer an dieser Frage! Ob er „gedient hat, will man von ihm wissen – also, ob er seinen Militärdienst geleistet hat. An der Dienstfrage entscheidet sich nämlich im deutschen Kaiserreich, ob einer was taugt, oder ob er ein vaterlandsloser Geselle ist.

Nein, er hat nicht gedient. Er konnte gar nicht, denn zur entscheidenden Zeit saß er wegen einer Lapalie im Ge-fängnis. Und nun kriegt der „Un-gediente einfach keinen Fuß mehr auf die Erde.

Seine Verzweiflung treibt ihn schließlich zu einer verrückten Idee: In einer ergaunerten Gardeuniform gibt er sich als Hauptmann von Köpenick aus. Und nun endlich sieht man in ihm den verdienstvollen Mann und bringt ihm allen Respekt entgegen!

Heute wären wir wohl ziemlich überrascht, wenn man uns fragte, ob wir „gedient haben. Die Uniform entscheidet glücklicherweise nicht mehr über unseren Status und Wert. Und „Dienst klingt in unseren Ohren eher nach „Kriecherei.

Wie schade aber, dass der Dienstgedanke insgesamt so in Verruf gekommen ist!

In unserer Kirche gab es früher viele „Dienste – heute heißen sie auf Gemeindeebene meistens „Kreis und auf Kirchenebene (wie unevangelisch!) „Werk.

Ob es mittlerweile unter unserer WĂĽrde ist, jemandem zu dienen? Ob wir unseren Status eher davon ableiten, dass wir bedient werden?

Jesus leistet es sich, gegen den Trend zu leben: Nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen ist er gekommen! Für viele ist sein Dienst zur Rettung geworden! Seine Freunde lädt er ein, ihm auf diesem Weg zu folgen. Nicht um den eigenen Status auf-zupolieren, sondern um denen zu helfen, die sonst unter die Räder kämen.

Vielleicht also eine Frage, die man sich selber ab und zu stellen sollte: „Heute schon gedient?

Pastor Rainer Mittwollen (EmK-Gemeinden Gelsenkirchen/Bochum)

 

 Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?

Die ersten jüdischen Christen in der Gemeinde in Korinth mussten klären, was ab nun gelten sollte, wenn es um das Essen von Götzenopferfleisch ging:

Wird man (nach jüdischen Speisegeboten) schuldig vor Gott, weil man „unreines Fleisch isst, das gottfeindlichen Göttern/Kräften geweiht sind? Aber anderes Fleisch gab es seinerzeit nicht in Korinth zu kaufen. „Liberalere Christen waren im Umgang mit dieser Frage „lockerer und spotteten über die Kleinkariertheit der „Superfrommen.

Der Apostel Paulus schreibt dazu, dass es ja nur einen Gott und darum keine echten Götter neben Gott gibt. Also ist dieses Fleisch auch nicht unrein und kann gegessen werden. Aber andere Gläubige mit traditionellen Einstellungen sollen nicht verunsichert werden:

„Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.(1.Kor. 10,23f)

Nicht die eigene Sichtweise ist ausschlaggebend, sondern die Schwäche der anderen um mich herum!

Das ist vergleichbar mit dem Warten an einer Ampel:

Ich kann selbst entscheiden, ob ich das Risiko auf mich nehme, bei Rot loszugehen. Aber wenn andere (vor allem Kinder) dabei zusehen, bringe ich sie in Gefahr, weil sie mich beobachten, mich als „Vorbild nehmen und entweder jetzt oder bei nächster Gelegenheit die rote Ampel nicht beachten.

Es ist ok, wenn ich nach eigenem besten Wissen und Gewissen handle und eine größere Freiheit darin habe als andere.

Anders können wir auch gar nicht entscheiden, als nach unserem derzeitigen Gewissensstand.

So lange dadurch niemand zu Schaden kommt!

Aber wer kann sich so sicher sein, dass das eigene Gewissen nicht auch korrigiert, erweitert oder ergänzt werden muss? Ich sollte weiterhin offen für ein kritisches Hinterfragen meines Handelns bleiben. Und andere nicht zu Dingen verführen, die ihnen nicht gut tun und für die sie sich später anklagen.

Das heiĂźt nicht, dass immer nur die „Enge der anderen mein Handeln bestimmen darf. Aber Paulus macht klar: Der MaĂźstab  unseres Handelns als Christen soll die Sorge um andere, die Liebe fĂĽr andere sein. Liebe, die dem  „Schwächeren hilft. 

Da ist Gott zu finden! Da dürfen auch wir sein - mit unseren eigenen Schwächen, die uns vermutlich oft genug selbst lästig sind.

Übrigens ist das fast ein Selbstläufer: Wo andere ihre Schwächen zugeben und damit leben dürfen, müssen die scheinbar Starken sich weniger mit ihren Schwächen verbergen und werden sozialer.

Dadurch entstehen Gemeinschaften mit hohem sozialen Wert – in der Familie, Schule, Gemeinde, auf Arbeit, im Freundeskreis.

Der Pfarrer und Gründer der methodistischen Erweckungsbewegung fasste den Maßstab für gottgefälliges Handeln einmal so zusammen: „Liebe – und dann tue, was Du willst!

Und wir liegen sicher nicht verkehrt, wenn wir unser Verständnis von Liebe an der Bibel messen und ab und zu mit der einfachen Fragen überprüfen: „Was würde Jesus tun?

Pastor Sebastian BegaĂźe

 Gott ist mächtig anders!

„Wird's besser? Wird's schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich! Ich glaube, Erich Kästner hat recht mit seiner Beobachtung:  Das Leben bleibt ein Kampf. Und gefährlich. Auch im neuen Jahr. Wer dabei schwach aussieht, kann schnell zu den Verlierern gehören. Viele werden sich darum im neuen Jahr bemĂĽhen keine Schwäche zu zeigen, damit sie mit Leistungsbereitschaft, Erfolg und Gesundheit ihren Platz und ihre Aufgaben behalten können.

Die Bibel berichtet oft von starken Persönlichkeiten. Was die alles mit Gottes Hilfe schaffen. Zum Beispiel der Apostel Paulus: Der konnte so predigen, dass Menschen dadurch an Gott glauben konnten. Paulus reist bis nach Europa und gründet die ersten christlichen Gemeinden. Ein Tausendsassa, ein Gewinnertyp - so scheint es. Doch Paulus hatte auch eine schwache Seite. Er lebte mit einer körperlichen Beschwerde, die ihm sehr zu schaffen machte. Darum bat er Gott, ihn von dieser ständigen Belastung zu befreien. Gott antwortete auf dieses Gebet – aber anders, als Paulus erwartet hatte.

Gott versprach ihm: „Lass dir an meiner Gnade genĂĽgen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!  (2. Korinther 12,9)

Ich weiß nicht, ob im neuen Jahr nicht wieder die Routine und meine Schwächen siegen werden. Aber gerade da, wo ich an meine Grenzen stoße, will ich mich immer wieder neu Gottes Gnade überlassen. Denn schwach sein ist für Gott ok. Für mich dann auch.

Der Gottesdienst am 08. Januar zur „Erneuerung des Bundes mit Gott ist eine gute Möglichkeit, unser Leben wieder  erneut unter die FĂĽhrung und Herrschaft Gottes zu stellen und mit seiner Hilfe zu rechnen. Auch im neuen Jahr 2012.

Ich wünsche Ihnen starkes neues Jahr, in dem Sie erleben, wie Gottes Kraft trotz mancher Schwäche in Ihnen wirksam wird.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

 Hat Gott uns verlassen?

Nun hat sie wieder begonnen: Die dunkle und kalte Jahreszeit. Vielleicht spüren wir gerade in dieser Zeit, wie sehr wir uns nach menschlicher Nähe und Wärme, nach Licht und Leben sehnen. Manch einer mag darum die Winterzeit als belastend empfinden. Darum ist es gut, dass wir uns auch auf das Weihnachtsfest zubewegen, uns vielleicht sogar auf einen Winterurlaub freuen, auf Schnee, Kinderlachen beim Rodeln und Weihnachtsmärkte mit Glühwein und Leckereien. Und dass die Tage nach Weihnachten wieder länger werden werden.

Der Monatsspruch passt gut zu den Gefühlen, die sich in dieser Zeit einstellen können: Gott spricht: „Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim! (Jes. 54,7)Doch wie kommt der Prophet Jesaja zu der Erfahrung, dass Gott überhaupt abwesend sein könnte? Ist Gott nicht überall? Wohin sollte Gott denn gehen, wenn er doch nicht an Ort und Zeit gebunden ist?

Ă„uĂźerlich ging es dem Volk Israel während des babylonischen Exils vermutlich gar nicht so schlecht. Die größere Not war innerlich: Man war fremd in einem fremden Land und auch fremd in einer Welt, in der man sich nicht mehr zurechtfand. Der Tempel in Jerusalem - als Ort der Gegenwart Gottes und Zentrum des Lebens -  war zerstört.

Es gab keinen Lebenssinn, keine Geborgenheit mehr. Und diese Gefühle kann vermutlich jeder nachvollziehen, auch wenn die Gründe dafür unterschiedlich sein können. Können wir das Gefühl von Gottes

Abwesenheit vielleicht sogar als Grund unserer eigenen vielfältigen Traurigkeiten und Notlagen deuten? In einem Film, den ich vor einigen Jahren sah, unterhalten sich Mutter und Sohn über ihre Zukunft während der russischen Revolution (1917). Der Sohn sagt zu seiner Mutter: „Gott wird uns helfen! Seine Mutter darauf: „Ach, mein Sohn! Gott gibt es doch nicht! Der Sohn antwortet: „Wenn es Gott nicht gibt, warum fehlt er uns dann so oft?

Gott gibt es! Aber er kann auch weit weg sein, zumindest gefühlt. Die Bibel berichtet u.a. in den Psalmen von der Erfahrung der Gottesferne. Und Jesus Christus selbst teilt diese Erfahrung mit allen Menschen, die schon einmal so empfanden, wenn er am Kreuz kurz vor seinem Tod ausruft: „Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?

(Ps 22,2 / Mk 15,34) Erstaunlicherweise „gesteht Gott durch den Mund des Propheten Jesaja sogar, dass er die Seinen verlassen hat. So bitter damit diese Erfahrung bestätigt wird, sie ist immerhin kein menschliches Wahrnehmunsproblem. „Ja, ich habe dich verlassen. Aber nur für eine kurze Zeit!

Unerträglich wird Leiden erst dann, wenn wir meinen, es wäre schon immer nur Not im Leben dagewesen. Und sie niemals enden würde!

Dann hilft es, wenn wir uns an die Zeit davor erinnern: Es gibt auch kleine Unterbrechungen, Oasen der Ruhe und der kleinen Freude. Durch diese zeitlichen Unterschiede und Begrenzungen werden wenigstens Schattierungen in der Finsternis sichtbar.

Die Bibel beschreibt Gott auch als einen leidenschaftlich fühlenden und handelnden Gott. Eltern wissen, dass Kinder einen so ärgern können, dass man Dinge sagt und tut, die man in Liebe nie tun wollte. Aber wenn das Kind in Tränen aufgelöst und voller Angst verlassen dasteht, dann schmilzt aller Zorn in einem Augenblick dahin. Tiefer als aller Zorn reicht die Liebe und das große Erbarmen Gottes!

Die zeitliche Begrenzung aller Not ist Sinn der Adventszeit, in der wir uns erinnen: Wir warten auf Gottes abschlieĂźendes Kommen! Wir warten, dass Gott sein Reich endlich vollendet, das er bereits in uns (durch unseren Glauben an Jesus Christus) begonnen hat.

Auch wenn wir heute eher selten die Abwesenheit Gottes in unserem Leben als Grund unserer Nöte und Ängste verstehen, ist es sicher die richtige „Therapie, durch Gottes Liebe „heimgeholt zu werden.

Nicht, weil wir Erbarmen verdient hätten (nachdem wir uns vergeblich versucht haben zu läutern) - sondern weil „ich dich bei deinem Namen gerufen habe. Du bist mein. Weil du in meinen Augen so wertvoll bist und ich dich lieb habe! (Jes. 43, 1ff)

An Weihnachten feiern wir auch dieses Jahr wieder, dass Gott uns nicht aufgibt und uns nicht verlässt, sondern zu uns kommt.

Gott kommt als Mensch, als ein Kind in seine Welt und leuchtet hell in alle Dunkelheit hinein.

Damit unsere Angst kleiner und unsere Freude größer wird!

Ich lade Sie herzlich ein: Feiern Sie mit uns und Advent und Weihnachten in unseren Gottesdiensten!

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Gott is´ ´ne Burg?

Niemandem bleiben sie erspart: Die schweren Zeiten im Leben! Enttäuschungen in Beziehungen, tiefer Schmerz, wenn sie zerbrechen. Zerschlagene Hoffnungen im Beruf oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Sorgen um Kinder und Enkel. Krankheit, die das Leben total verändert und auf Besserung nicht hoffen lässt. Nachlassende Kräfte im Alter, die von der Hilfe anderer abhängig machen. Der Tod eines nahen Menschen, der unendlich einsam macht. All das sind Nöte, die unser Leben belasten können. Sie sind manchmal kaum auszuhalten. Sie können in Verzweiflung treiben und tiefe Zweifel an Gott verursachen.

Aber neben der individuellen Not gibt es auch die Zeiten gemeinsamer Not! Unter Gewaltherrschaft, Krieg und Terror, Armut und Hunger leiden ganze Völker. Und die anhaltende Verschmutzung und Zerstörung unserer Umwelt, die Finanz- und Wirtschaftskrisen betreffen nicht nur Einzelne, sondern gegenwärtig auch unsere Gesellschaft.

„Gut ist der Herr, eine feste Burg am Tag der Not. Er kennt alle, die Schutz suchen bei ihm. (Nahum 1,7)

Der Prophet Nahum hatte mit seiner Botschaft die Nöte des ganzen Volkes im Blick, denn lange Zeit bedrohte das assyrische Weltreich das Reich Juda und brachte Zerstörung, Elend und Armut über die Menschen. 612 v.Chr. bricht das assyrische Reich endlich mit der Eroberung der Stadt Ninive durch die Babylonier zusammen.

Für Nahum bedeutet dieser Untergang die Rettung seines Volkes aus großer Not. Darum soll nun in Gottesdiensten Gott dafür gedankt werden – dass Gott eine feste Burg in Tagen der Not ist.

Dabei wusste Nahum natĂĽrlich auch von Unrecht und Schuld in seinem eigenen Volk. Aber dieses Wissen wurde jetzt zusammen mit allen schlimmen Erfahrungen der Vergangenheit von der Erfahrung der Hilfe und der Befreiung aufgesogen.

Manchmal geht es ja auch uns so: Das Gelingen einer riskanten Operation, die Genesung nach schwerer Krankheit oder eine gelungene Versöhnung verstehen wir dankbar als die Hilfe Gottes, als Antwort auf unsere Gebete.  Gut, wenn wir das so erleben!

Was aber ist mit Katastrophen, Krisen, schwierigen Schicksalen, die Menschen auch weiterhin erleben? Wenn das, was Menschen erleiden müssen, zu einer tiefen Glaubenskrise führt, manchmal sogar zum Abschied von Gott - dem man vertrauen wollte, der aber nicht gehört und nicht geholfen hat?

Gott - eine feste Burg?

Nahum hatte die Zuversicht, dass man in der Not zu Gott fliehen, um Hilfe flehen und sich bei ihm bergen kann.

Auch andere haben das so erlebt und uns ihre Erfahrungen schriftlich hinterlassen, z.B. König David in seinen Psalmen. Dort schreibt er rückblickend auf sein Leben:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. (Ps.23)

König David kennt auch den Mangel, aber er kennt auch den, der allen Mangel beseitigt. Er kennt auch Verfolgung und große Ängste, aber auch den, der ihm im Beisein seiner Feinde/Bedrohungen (die eine Realität bleiben und nicht fortgenommen werden) mit allem versorgt, ihn salbt und segnet.

Das ist der Glaube, zu dem Jesus uns einlädt – dass wir Gott auch in unseren Krisen und Problemen vertrauen. Weil alles Grauen nur bis zum „dritten Tag, bis Ostern, bis zur Auferstehung währt. Und wir auch im Leiden nie tiefer fallen können als in Gottes Hand!

Wenn Gott uns also kennt und unser Schutz sein will – wo könnten wir uns besser bergen, zu wem wollten wir sonst noch fliehen?

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Ernte-Dank

Fehlen einem da nicht die Worte? GewinnsĂĽchtige Broker fahren Milliarden an die Wand, nur um ihrer eigenen Millionengewinne wegen.

Um Milliarden geht es zusammen bei den Übertragungsrechten der Fußballbundesliga und den internationalen Partien. Natürlich langt sich „Otto Normalverbraucher an den Kopf und denkt: „Wo soll das alles noch hinführen, bei mir wird es immer enger. Bald geht nichts mehr.

Wenn derzeit ein Politiker in unserem Land das Wort der sozialen Gerechtigkeit in den Mund nimmt, drängt es mich in die Apotheke. Dort gibt es Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen.

In der letzten Zeit schrecken wieder die Zeitungsmeldungen auf, als seien sie die gleichen von 2008 beim großen Crash. Leider hat sich seither rein gar nichts geändert. Ach doch, die Gewinne der Broker und Banken wurden noch größer. Aber auch eine andere Meldung ist zu vernehmen, sie ist nicht so sehr Tagesgespräch.

Man hat sich daran gewöhnt, dass fast eine Milliarde Menschen hungert.

In dem Jesajawort, das meinen Gedanken zugrunde liegt, wird nur ein Teil des Verses zitiert. Es lohnt sich, dieses ganz kurze Kapitel 58 zu lesen:

„Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Voraus geht der wohl bekanntere Vers 7, der auch Eingang in unsrer Gesangbuch gefunden hat:

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Ganz klar sind das für mich nicht nur Worte, die in die Vergangenheit gehören. Sie sind aktueller als eh und je. Nicht, dass ich ja nur ein zu kleines unbedeutendes „Licht bin, das eh nichts tun kann, ist die richtige Antwort. Die anderen sollen anfangen, ist ebenfalls der falsche Weg.

Solche Haltungen führen gerade zur Vermehrung gieriger Broker und anderer, die nicht genug bekommen können. Ganz bestimmt sind nicht die Gierigen die, die mit dem richtigen Weg anfangen. Wenn wir darauf warten wollen, wird es nichts. Die Bibel verkennt unsere Situation nicht.

Auch unserem Gott sind unsere Dunkelheiten und Nöte klar. Trotzdem oder gerade deswegen ist unser persönliches Handeln gefragt.

Heute hungern und dĂĽrsten Leib und Seele der Menschen.

Geben wir ihnen Nahrung fĂĽr Leib und Seele.

Geben wir ihnen unser Herz, Beziehung, Zuwendung und teilen wir mit ihnen, was uns froh macht.

Geben wir ihnen die Botschaft von Jesus Christus, die ihr und unser Dunkel erhellt.

Zum Erntedankfest haben wir die Chance zu sehen, wie gut Gott uns versorgt.

Die Möglichkeit zur aufrichtigen Dankbarkeit, das Vorrecht andere an Leib und Seele zu sättigen und zum Licht zu werden.

Gott segne alles, was Ihr in seinem Namen tut!

Pastor i.R. Andreas Wagner (EmK-Dortmund)

 

Wo sind zwei oder drei in meinem Namen versammelt...?

Gott kann man auf unterschiedliche Weise begegnen oder erfahren. Das kann auch dann  geschehen, wenn ich mal ganz alleine mit mir bin. Aber Gott ist nicht ein Gott der Einsamkeit oder ein Gott nur fĂĽr „Eigenbrötler, sondern lässt sich vor allem in der Gemeinschaft mit anderen finden. Gottes Sehnsucht war schon immer der Mensch. Darum lädt Jesus seine JĂĽnger zu einem gemeinsamen Leben ein. Gemeinsam leben, arbeiten und glauben sie miteinander. Wo Menschen sich auf GeheiĂź Gottes und in der Ausrichtung auf Gott versammeln, da will Gott sich erfahren, sehen, spĂĽren lassen. Im anderen begegnet mir so die Hilfe und Liebe Gottes. Darum sagt Jesus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20) Das gilt, wenn wir als Gemeinde im Gottesdienst zusammen kommen: Wir beginnen und feiern unseren Gottesdienst immer „im Namen Gottes, Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das gilt auch, wenn wir uns bei anderen Gelegenheiten treffen, in der Bibel lesen, darĂĽber nachdenken, was Gott uns damit sagen möchte… Und wenn wir Gott gemeinsam in Liedern loben und miteinander anbeten. Dem gemeinsamen Gebet hat Jesus ĂĽbrigens eine besonders groĂźartige ErfĂĽllung versprochen: Wahrlich,ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. (Matthäus 18,19)

Dabei geht es nicht um eine „magische Formel, die erst dann wirkt, wenn alle sie sprechen. Sondern, dass ich mich für die Anliegen des/der anderen einsetze und ihn/sie in in der gemeinsamen Fürbitte darin unterstütze. Dabei sollen wir so beten, dass es Gottes Willen und der Liebe – also dem Guten überhaupt – entspricht. Das ist mehr, als Gott nur eine lange Liste von Wünschen nennen. Wir sollen vorher prüfen, inwieweit unsere Anliegen überhaupt Gottes Zielen entsprechen. Aber wenn wir das, was wir von Gott erbitten, in seinem Namen mit reinem Gewissen tun können, dann gilt hier die großartige Verheißung Jesu: Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. (Johannes 14,13). Lasst uns darum noch viel öfter miteinander und füreinander beten. Damit alles in Erfüllung geht, was Gott ehrt - und unserem Leben dient.

Und wenn wir mal nicht wissen, was wir im Namen Gottes überhaupt bitten sollen, können wir uns an das „Vater Unser (Mt 6,9ff) als „Standardgebet halten. Dieses Gebet wird Gott immer gern erhören, denn Jesus selbst lehrt es seine Jünger auf ihre Bitte hin. Darum beten wir dieses Gebet auch immer wieder in unseren Gottesdiensten – und auch immer gemeinsam.

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

Wo Dein Schatz ist, da ist Dein Herz!

Neu-deutsch wird oft von einem „Check-up gesprochen. Man könnte es auch eine ganz gewöhnliche Durchsicht nennen, wenn Menschen regelmäßige Vorsorge-untersuchungen beim Arzt  vornehmen lassen (auch wenn keine akuten Beschwerden vorliegen).  Was uns wichtig, darum kĂĽmmern wir uns. Oder andsers gesagt: â€žWo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthäus 6,21)

Auch für meine eigene persönliche Gottesbeziehung ist es gut, wenn ich sie regelmäßig durchsehe, damit nicht eine schleichende Distanz zu Gott eintritt. Denn die Gefahr besteht: Mein Glaube kann auch aufhören! Die Liebe zu Gott, zu Jesus kann geringer werden. Die Freude an der Gemeinschaft mit Gott, am Dienst, an der Gemeinde kann abnehmen. Oft geschieht dieser Prozess eher unbemerkt.

Mancher ist überrascht, wenn er irgendwann bemerkt, wohin sich der eigene Glaube entwickelt hat. Darum kann ein „Check-up für meinen Glauben eine Hilfe sein. Das ist wie eine „Inspektion im Lichte Gottes, in der ich mir selbst einige prüfende Fragen stellen kann:

- Wie wichtig ist mir das Gebet? Ist es mir ein inneres Bedürfnis? Bete ich regelmäßig? Bete ich nur, wenn ich eine Bitte an Gott habe?

- Wie lese ich die Bibel? Gerne? Aus PflichtgefĂĽhl? Manchmal? Gar nicht? Mit welcher Erwartung?

- Warum gehe ich in einen Gottesdienst? Weil ich hier Gott begegnen möchte? Weil ich hier nette Menschen treffe? Weil ich zur Gemeinde gehöre? Weil es jemand von mir erwartet?

- Gibt es Menschen (Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen, in der Gemeinde), auf die ich anhaltend „sauer bin und denen ich nicht vergeben kann / möchte?

- WeiĂź ich, dass Gott etwas Bestimmtes von mir erwartet (das ich tun oder lassen soll) und ich bin dem bisher nicht gefolgt?

-  Welches der 10 Gebote stellt fĂĽr mich eine bleibende Herausforderung dar?

- Wie schätze ich mein Vertrauen zu Gott ein? Vertraue ich Gott wirklich – oder vertraue ich doch mehr mir?

- Gehe ich im Vertrauen auf Gott auch unsichere Wege, die ich ohne Glauben nicht gehen wĂĽrde? Oder gehe ich nur sichere Wege?

- Kenne ich meine Schuld / SĂĽnde vor Gott und Menschen und wie gehe ich mit ihr um? Suche ich Wege der Vergebung und der Wiedergutmachung?

Eine solche Bestandsaufnahme mag hier und da vielleicht unbequem sein. Genauso wie eine ärztliche Untersuchung oder eine PKW-Inspektion Dinge ans Licht bringen kann, die wir lieber nicht gewusst hätten. Gott zeigt uns diese Dinge aber nicht, um uns zu demütigen, sondern um uns davon zu befreien – indem wir ihm diese Dinge hinhalten, übergeben und ihn vetrauensvoll um seine Hilfe bitten. Denn soviel sollten wir uns selbst wert sein, dass wir gut für unsere Seele sorgen.

Jesus ruft die Menschen immer wieder zur BuĂźe, das heiĂźt zur einer Umkehr im Leben auf. Eine Umkehr wieder zu einem Leben mit Gott. BuĂźe jedoch ist immer erst der zweite Schritt. Ihr geht die Erkenntnis der eigenen Unfertigkeit, Unentschiedenheit oder Schuld voraus.

Und sollten wir daran zweifeln, dass Gott es wirklich gut mit uns meint, dann gilt auch, weil wir seine geliebten Kinder sind:

„Wo mein Schatz ist, da ist auch mein Herz.

Wo sollte Gottes Herz sonst sein, fĂĽr wen sollte es sonst schlagen – wenn nicht fĂĽr Sie?    

Pastor Sebastian BegaĂźe

 

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